LifeArt – Soziale Plastik – Werksatz – Permanente Kreation

Erweiterte Kunstpositionen und Kunstansätze der Gegenwart sowie der nahen Vergangenheit sind für mich wichtige Inspirationsquellen für die Auseinandersetzung mit einem Kunstverständnis, das Wirkung, soziale oder persönliche Prozesse, ästhetische oder persönliche Erfahrungsmomente als KUNST-WERK versteht.
Ich bin durch die Betrachtung und die Beschäftigung mit Menschen, die in dieser Richtung arbeiten, auf eine intuitive Weise angesprochen, versuche teilweise in eigenen künstlerischen Arbeiten zu erleben und zu verstehen, wie sie mich ansprechen und wie das dann in mein gesamtes Handeln einfließt. Diese Erlebens- und Verstehungsprozesse möchte ich öffnen für gemeinsames Entdecken und damit Erweiterungen und Verbindungen von Kunst und Leben einen Raum geben. Auf dieser Seite versuche ich einige meiner Zugänge zu formulieren.

Zur Schönheit des Handwerks, zu einer achtsamen, menschlichen Handhabung der Natur, zu einem Gefühl von Zeit führen mich Arbeiten von Roger Rigorth. Mit seiner Naturverbundenheit erschafft er Werke und Installationen, die für mich Brücken darstellen zwischen Handwerk, Nutzbarkeit und Kunst – damit zu existentiellen menschlichen Grundlagen und Bedürfnissen. Eine Achtung des menschlichen Gebrauchs von Pflanzen mit ihren ästhetischen Möglichkeiten liegt darin, eine Achtung mit all ihrer Schönheit und der Suche nach Einheit. Dadurch regt er in mir ein gefühlvolles Miteinander zwischen Natur und Mensch an – einmal durch eine Art Erinnerung an eine langsam vergehende Gestaltung von Handwerks- oder Landwirtschafts-Dingen, die den Alltag selbstverständlich mitbestimmen – zum anderen durch seine Installationen in Außenräumen, die oft eine vorsichtige Verbindung suchen. Rigorths erste Arbeiten stellten Masken dar, dann fand er zur Form des Bootes, wozu er in Korea und Australien reiste. Boote in Sri Lanka und Vietnam inspirierten ihn und zu Flecht-Werken, wovon viele seine organisch anmutenden Skulpturen in Kombination mit Holz leben. Sie sind Gefäß und Haut und bieten eine Aufbewahrung von allerlei – von Leere und Fülle.

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Steinkreis – Medizinrad

Steinkreise in Cornwall und Frankreich berührten mich schon öfters und öffneten mir eine Annäherung zu Prinzipien der Natur und ihrer Kreisläufe. Jetzt lernte ich indianische Steinkreise kennen – ihre Medizinräder – in denen sie ein Symbol des Universums, seiner Kräfte und eine Möglichkeit der Verbindung erleben. Das Medizinrad reflektiert die Verbundenheit allen Lebens und die gegenseitigen Abhängigkeit aller Lebens- und Daseinsformen und verdeutlicht somit unser Eingebundensein als Menschen in die Kreisläufe des Lebens und Vergehens. Es vermittelt Zugang zu den Energien der Schöpfung und ein Verständnis dafür, dass alle Teile der Schöpfung mit uns verwand sind, deshalb spricht es von „Mutter Erde“, „Vater Sonne“, „Großmutter Mond“ und den Pflanzen, Tieren und Mineralien als Geschwister. Damit spiegelt es das vollkommene Gleichgewicht der aktiven und rezeptivenbzw. der männlichen und weiblichen Energien wider.

Das Medizinrad besteht aus 36 Steinen mit Zuordnungen zu Planeten, zu den Elementen, zu den Himmelsrichtungen, zu den Monden /Monaten und zu menschlichen Gaben. Jedem Stein werden mineralische, pflanzliche und tierische Qualitäten zugesprochen. Im Berühren der Steine sowie im Gehen zwischen ihnen kann man den Fluss der entsprechenden Energien erleben und damit wachsen, sich wandeln und öffnen.

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Sun Bear, ein Medizinmann der Ojibwa-Indianer, belebte die Tradition des Medizinrades mit einer Vision, die verschiedene Traditionen indianischer Spiritualität vereint und gründete in den 1970er Jahren mit Wabun Wind den so genannten „Bear Tribe”, eine Kommune für Menschen jeglicher Herkunft. Gegen den Widerstand der traditionellen indianischen  Schamanen machte er seine Visionen auch für alle Weißen öffentlich, um ihnen einen Schlüssel zur Wiederverbindung mit in die Hand zu geben.

www.baerenstamm.de

Schere _ Stein _ Papier

Spielraum für kreatialogische Entdeckungen – 8. Juli 2016 mit Alex Zerl

Wir stellten zu dem weltweit gespielten Spiel der Hände die Fragen: Was macht die Gewinnerin und den Gewinner des Spiels aus? Was macht die Verliererin und den Verlierer dieses Spiels aus? Was wäre, wenn es keine gäbe und die Regeln des Spiels anders sind? Was verändert uns dabei, was bringt uns weiter in der Evolution des Homo Ludens: Gleichheit der Hände, Unterschiede der Hände, Bewegung der Hände, Begegnung der Hände? Spielen wir mit Regeln, erfinden wir Regeln, brauchen wir Regeln?

Zu diesen Spiel-Fragen bot der Raum das Umgehen mit den Steinen, mit Metallen, mit den Papieren, mit uns. SCHNIG-SCHNAG-SCHNUG – im Entdecken der Materialien begann unser Spiel mit dem Zerschneiden, dem Bewegen, dem Verschieben, dem Pendeln, dem Erklingen, dem Verbinden. Rollende Steine, Papier-Schnipsel, Papier-Bahnen, Papier-Schweife an Hüften, ein Sprung-Feld der Entscheidungsfindung, zerbrochene Steine, Schnitte in Metall, ein Wolldecken-Ball, Scheren-Kämpfe, Scheren-Schnitte, Blech-Wackeln-Donner, Spiralen-Schneiden, Kreppband ziehen, Sofa-Verklebung … Das Gewinn-Spiel der Hände verlor sich in den Formen die miteinander entstanden, zweihändig oder im schneller werdenden Rhythmus. Kein Homo Ludens wollte anscheinend gewinnen oder verlieren.

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In den Spielräumen für kreatialogisches Entdecken werden Materialien zur Verfügung gestellt, mit denen Gestaltungs-/Kommunikationsvorgänge ohne Absprachen/Vorgaben entstehen. Ein Verweilen im spielerischen Entdecken, aus dem das jeweilige Erlebte als Impulse wahrgenommen werden kann und eine direkte Form/Bewegung bekommt. Ein Versuch zu einem gestalterischen Dialog mit einem Zusammenspiel, formenden Prozessen und handelnder Wahrnehmung.

URSPRUNG und BEGEGNUNG in Steinen

In der LEERE freilegen _ In der FORM berühren

Workshop mit Erkundungen / Installationen mit Matthias Heidel 1.- 3. Juli 2016

Vor 32 Millionen Jahren erstarrte am Arensberg in der Eifel die Basaltlava eines Vulkanausbruchs und wurde später von Menschen abgebaut. Mit 9 Personen begaben wir uns dort zu den Ursprüngen der Erdoberfläche und zu eigenen inneren Quellen. Wir erlebten Impulse, brachten uns in Beziehung  über Zeichnen, Schreiben, Bewegen oder körperlichen Kontakt. Spuren und Strukturen der geologischen Entstehungsprozesse des Fließens und Erstarrens öffneten Zugänge zu unserem eigenem Erleben und dem Finden von eigenen Formen. Auf dem Bildhauergelände der Künstlersiedlung Weißenseifen gaben wir diesen erfahrenen Impulsen Gestalt mit der bildhauerischen Bearbeitung von Stein und hinterließen als Dank zum Abschluss vergängliche Spuren in dem Steinbruch.

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Form für Verantwortung

Skulptur – Performance 15. – 21. Aug. 2015 – eine persönliche Thematik zu Verantwortung:

VATER sein – SOHN sein

 

Dazu arbeitete ich eine Stein-Skulptur zu einer figürlichen Form von einem Vater mit Kind.

Diesen Prozess, der einerseits mein eigenes Vater Sein thematisierte, andererseits aus Erinnerungen meiner eigenen Kindheit gebildet wurde, begleitete ich mit Aufzeichnungen und entwickelte daraus einen Versuch einer biografischen Performance mit Texten von Reiner Kunze.

Mit dieser Entwicklung und Verbindung einer materiellen bildhauerischen Form-Gestalten als Stein-Skulptur mit einer erweiterten plastischen Form-Gestaltung einer inneren Gestalt-Formung versuche ich meiner Auseinandersetzung und Frage näher zu kommen:
„Woraus entsteht Form?“

„Was bewegt mich zu einer Form?“

„Was verbindet mich mit einer Form?“

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STEINE: beARBEITen UND beSPIELen

Mit Dirk Marwedel (12. Juli 2015)
Wie entsteht eine Skulptur in hörbarer und handwerklicher Art?

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Schieferplatten, Sandsteinquader, Kieselsteine waren für uns die Instrumente, mit denen wir diese Frage im Rahmen des Klang-Kunst-Festivals AUFS GANZE GEHEN in der Walkmühle Wiesbaden bespielten und bearbeiteten. Wir hauten 2 runde Zylinder aus den Sandsteinen, einen runden Durchbruch in eine Schieferplatte und bauten aus diesen Elemente verschiedene Skulpturen. Es klangen rhythmische Schläge und Schläge nebeneinander – kratzen, schaben, kullern von Werkzeugen und Kieseln – schieben, walzen, fallen von Steinen – fließen von Wasser. Eine sehr wechselhafte Klang-Skulptur gestaltete sich über 8 Stunden – ein Changieren und Balancieren zwischen Bildhauerei, Klangkunst und Performance.

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Bewegung durch Stein

Bewegungsskizzen seit Jan. 2014

Mich interessiert die Frage, wie das Material und der Organismus Stein als Impuls für Bewegungen erlebt werden kann – als Form einer beweglichen plastischen Gestaltung. Ich probiere Bewegungen, die in / mit Stein gegeben sind. Ich entwickelte Bewegungsskizzen, die einige Möglichkeiten, wie sich Steine bewegen lassen, als Ausgangsimpuls nahmen.

Dabei gab es folgenden Ablauf:

Steine bewegen – walzen, kippen, schwenken, schleifen, wässern

Eine freie Körperbewegung aus der “funktionalen” Bewegung entwickeln

Eine Zeichnung  zu der Körpererinnerung machen

Eine Form aus Ton zu der Zeichnung modellieren

Eine Bewegungssequenz aus allem entwickeln und in den Elementen umsetzen

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Eine Kunst des Friedens – Die Menschlichkeit bergen

Eine Kunst des Friedens – Die Menschlichkeit bergen

Als ich im März 2015 einen Bericht von Matthieu Afkins über eine Gruppe von Zivilschützern in Aleppo (Syrien) las, wurde mir wieder mal bewusst, was es bedeutet, Menschen in Kriegsgebieten zu helfen, sie aus Trümmern zu bergen und dabei ein Engagement, eine Hoffnung auf ein friedliches Leben zu bewahren, sich gegen eine lähmende Verzweiflung zu wehren. Abwechselnd mit 30 Männern sind diese Zivilschützer täglich 24 Stunden im Einsatz an den Einschlagorten der Bomben eines so sinnlosen, grausamen und erbarmungslosen Kriegs gegen unschuldige Menschen. Sie retten die Leben von Verletzten und Verschütteten oder sammeln, wenn keine Hilfe möglich ist, die Leichen für eine Bestattung ein. Mit ihrer Arbeit, mit den Menschen, die sie dort aus den Trümmern bergen, bewahren und bergen sie für mich eine Menschlichkeit, die allen Menschen in ihren Bedürfnissen eine Unterstützung gibt, die ihre Not ebenso teilt wie die eigene Kraft des Mutes.

Der Vergleich ist nur sehr entfernt möglich, aber: Gilt diese Herausforderung der Bewahrung unserer Menschlichkeit auch für die Kunst? Ist diese Herausforderung vielleicht im Sinne der Sozialen Plastik die wesentlichste Motivation unserer Kreativität, unserer Gestaltung von Lebensgrundlagen und dem Umgang damit? Sind die Ausdrucksformen der Kreativität im weitesten Sinne vielleicht sogar die grundlegendsten Ausprägungen unserer Menschlichkeit – einer Verständigung, vielleicht Verbindung zwischen sich fremden oder sich bekämpfenden Menschen? Es gibt viele bestärkende Projekte, die sich dieser Gestaltung auf neuen und mutigen Wegen annehmen und ich möchte drei davon vorstellen:

10607866633_d611525dcb_b Foto von Combatants für Peace

Combatants for Peace ist ein Projekt des Netzwerkes ENCOUNTERS. Es wurde 2005 von Palästinensern, die Teil des gewaltsamen Kampfes gegen die israelische Besatzung  waren und Israelis, die in der israelischen Armee gekämpft hatten, begonnen. Sie verstehen sich als eine Basisbewegung in einem gewaltfreien Kampf gegen die israelische Besatzung. In öffentlichen Veranstaltungen begegnen sich die Beteiligten mit ihren persönlichen Geschichten und kreativen Methoden zur Konfliktlösung. Theater als Instrument für einen Dialog, um in gemeinsames Handeln zu kommen und eine Transformation von bisherigen Einstellungen zu erleben. Ben Yeger, ehemaliger israelischer Soldat und Mitglied von CfP,  bietet dafür Workshops an, die auf seinen eigenen Erlebnissen und Untersuchungen zu Ursachen von Konflikten aufbauen. Die Workshops ermöglichen in die Fußstapfen des “Anderen” zu treten sowie die Humanisierung eines Feindes zu vollziehen.

http://cfpeace.org/      http://www.encounters-arts.org.uk/?p=71

Robert Filliou, Fluxuskünstler und Dichter, verstand Kunst als ein Medium, mit dem Werte verändert werden. Er machte Vorschläge, Werke, Aktionen anders zu denken sowie  für eine Kunst des Friedens. Seine Formulierung der Permanenten Kreation erweitert das Feld künstlerischen Schaffens zur Lebenskunst, in der Unschuld und Einbildungskraft eine spielerische, permanente Kreativität hervor bringen und  in eine allgemeine gemeinsame Geschichte der Menschheit einfließen lassen. Den Antworten von Kindern zu den brennendsten Themen der Gegenwart – wie dem Frieden z. B. – sollten aufgezeichnet und ernst genommen werden. Als Initiator der 1. Friedensbiennale rief er weltweit KünstlerInnen auf Werke einzureichen, die “dem Frieden eine Form geben”. Mit einem Gemischten Komitee zum Austausch von Kriegsdenkmälern wirkte er darauf hin, dass die Kriegsdenkmäler von Partnerstädten ausgetauscht werden und sich das Gedenken zum Anderen wandelt.

Die für Diskussionen sorgende Aktion vom „Zentrum für Politische Schönheit“, bei der am 9. Nov. 2014 ca. 100 AktivistInnen als Kunstaktion vorübergehend das „Denkmal für die Mauertoten der ehemaligen innerdeutschen Grenze“ demontierten, um es an einen Zaun der bulgarischen Grenze zu montieren und damit gegen die Abriegelung und Abschiebung von Flüchtlingen zu demonstrieren, beinhaltet für mich auch dieses Bewahren der Menschlichkeit durch die Bewusst- und Sichtbarmachung von menschenunwürdigen Entwicklungen. Das ZPS gestaltet mit ihren Aktionen seit einigen Jahren eine Kunst des Hinschauens und Widerstehens.

http://www.politicalbeauty.de/

Koralle

Spielraum für Zeichen- und Sprachformen 1 (23.5.2010)

Performance zu einem “Organismus” aus Texten, Materialien, Bewegungen, der versuchte sich einer Sprache zu nähern, eine Grenze von Sprache zu überschreiten: Sprache der Steine, Sprache von Ideogrammen, Sprache des Körpers, Sprache der Handlungen, Sprache von Material, Werkzeugen.

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Koralle verwendete Texte von Henry Michaux “Ideogramme in China”, Robert Filliou “ein Sublimat aus 1000 Gedichte japanisch”, war inspiriert durch “Place de L’Ecriture” von Joseph Kosuth.

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