LifeArt – Soziale Plastik – Werksatz – Permanente Kreation

VER-Suchende Positionen aus unterschiedlichen Bereichen der Lebens-Forschung, der Lebens-Gestaltung, der Lebens-Bildung, der Lebens-Kunst sind für mich Inspirationsquellen, in denen ich soziale, ästhetische, persönliche, gesellschaftliche Prozesse mit ihren Erfahrungen als schöpferische WERKE als erweiterte KUNST-WERKE erkenne.

Ich selbst VER-Suche diese vielgestaltigen Ansätze in Begegnungs- und Spiel-Räumen umzusetzen und sie in ein alltägliches, lebendiges Handeln einfließen zu lassen. Auf dieser Seite möchte ich meine Gedanken und Interessen teilen – als einladende und bewegende Impulse.

Zu meinen SPIEL-RAUM- und Seminar-Angeboten findest du hier Termine und Einblicke:

http://www.stein-lassen.de/index.php/laborieren

Zu meinen Angeboten der ERFAHR-RÄUME findest du hier Termine und Einblicke:

http://www.stein-lassen.de/index.php/bestaerken

 

Und das bewegt mich gerade: SPRACHE & VERFLECHTUNGEN

Seit einiger Zeit sammeln sich Eindrücke zu den Themen Ausdruck, Sprache, Form-Werdung, die sich in mir irgendwie zu etwas verflechten und auch selbst mit Verflechtung zu tun haben. Es sind noch lose Anknüpfungspunkte zwischen denen ich meine Gedanken knüpfe.

Eine dieser Begegnungen war mit GESTEN im Museum für Kommunikation in Frankfurt : dass unsere Gesten-Sprache sich ableitet von alltäglichen HANDlungen _ HANDWerkzeugen und sich heute zu einem berührlosen Bedienungsinstrument für computergesteuerte Maschinen entwickelt – über sowas wie eine sensorische Touch-Screen. Das Forschungsprojekt Manuact beschäftigt sich mit dem HANDhaben eines Spinnrads und der Spinning Jenny > http://www.manuact.org/  –  https://ars.electronica.art/futurelab/project/manuact/

Das führte mich zu Michael Tomasello, der den Ursprung der Sprache auf die Gesten-Kommunikation zurückführt. Sein sozialpragmatischer Ansatz orientiert sich an der Notwendigkeit, dass SPRACHE in Gemeinschaften für eine Koordinierung von HANDlungsaufgaben entwickelt werden musste. Die Kommunikation löste sich vom greifbaren, verbindenden Handlungsgegenstand zu einer stellvertretenden Geste – eine Entwicklung die z.B. bei Schimpansen nicht stattfand.

Tomasello überträgt das auf die kindliche Sprachentwicklung, die ihm zufolge damit beginnt, dass ein Kind auf etwas zeigt und damit eine erste kommunikative Verbindung herstellt – im intuitiven Teilen einer Wahrnehmung, im vielleicht intuitiven Erwarten, dass eine ähnliche Bedeutung darin gesehen wird, also sein Zeigen verstanden wird.

unsere sprache entsteht aus handeln – meine sprache entsteht aus zeigen : was heißt das für mich als bildhauer, wenn auch meine leeren hände sprechen und handeln … und dann doch immer wieder etwas formen und sprechen …

Eine nächste Anknüpfung empfand ich bei der bengalischen Bildhauerin Meera Mukherjee – eine Schülerin von Toni Stadler, wie mein Bildhauerlehrer Michael Croissant. Eine Zeichnung von ihr begleitet mich seit meiner Reise in Bengalen 1999. Meera Mukherjee ging bei den Gharva Kunsthandwerkern von Bastar in die Lehre:

„Bei der Arbeit mit diesen überragenden Handwerkern konnte ich die Aufregung spüren, die ich bei dem Gedanken empfand, dass hier die gleichen Hände und Finger am Werk waren, die jene großen Tanjore Bronzefiguren geschaffen hatten und dass ich damit Teil davon war. Ich erlebte ihre völlige Hingebung bei ihrer Arbeit an heilige Bildern, die verehrt und angebetet wurden und ich fragte mich, könnten wir moderne Künstler in unserer Arbeit nicht den gleichen hingebungsvollen Geist entwickeln? Warum können wir beim Schaffen einer Figur, die nicht mehr Abbild eines Gottes, sondern weltlicher Dinge ist, nicht die gleiche geistige Hingabe empfinden?“

Mir sind noch Worte von Michael Croissant im Kopf, die er uns von seinem Lehrer beim Akt-Modellieren weiter gab : “ … die Körper von innen modellieren … “ Ich weiß nicht, ob ich sie damals verstanden hatte – mich hinein fühlen ? Vielleicht verknüpft sich das jetztmit den Worten Meera Mukherjees‘ zur geistigen Hingabe, zur Hingabe hinein in die weltlichen Figuren. Sie sprechen lassen mit unserer erfühlbaren Sprache – im Anschauen und hinein fühlen ? Ein Werk als ein Hin-Zeigen auf etwas einst real Erfassbares. Wenn die Sprache uns vom greifbaren Gegenstand, vom greifbaren Handeln entfernt hat zur gegenseitig verständlichen Gesten-Sprache, was ist dann die Sprache der Kunst in ihren HANDlungen und HANDwerken ?

unsere gegenwärtige sprache entsteht aus ge-fühlen – meine gegenwärtige sprache entsteht aus ge-fühlen : was heißt das für mich als bildhauer, wenn meine gefühlvollen hände räume oder hohlräume schaffen – deren äußere wände oder gestalten sprechen … und wir uns darin begegnen …

Ich las von der kolumbianischen Wandmalerin Teca : dass der Zopf eine Metapher ist für Frausein, für Schwarzsein und für sich verteidigen zu müssen. Im Widerstand der Schwarzen in Kolumbien ab dem 16. Jahrhundert haben sich Zöpfe zu einem Element der Identität entwickelt. In Zöpfe wurden Landkarten geflochten, Samen zum eigenen Anbau oder gestohlene kleine Goldstücke. Zöpfe stehen auch heute noch für den Zusammenhalt von Gemeinschaften. Teca trägt dieses mystische Symbol mit dem Frauenkollektiv MalaJuntaKlan auf Wände in der Stadt Cali. Aus ihren Zöpfen entstehen Figuren, Tiere und geschwungene Muster.

Sie erzählen von ihren und unseren Wurzeln, sie flechten weibliche Zöpfe weiter mit den bewahrenden Botschaften einer freien gleichberechtigten Gesellschaft. Die ersten Spuren von geflochtenen Körben sind wahrscheinlich vor 12.000 hergestellt worden als Sammel-Behälter für die verschiedensten nutzbaren Güter und ebenso alt sind wahrscheinlich die geflochtenen Zöpfe der Haare. Waren das nützliche praktische Erfindungen verwoben mit intuitivem symbolischem Wissen um die Strukturen von lebenserhaltenden Energien und Netzwerken ? In vielen Ornamenten ist dieses Muster schon immer enthalten und ziert erinnernd unseren sich wandelnden Alltag.

unsere uns wandelnde sprache entsteht aus Vernetzungen – meine mich wandelnde sprache entsteht aus Vernetzungen : was heißt das für mich als bildhauer, wenn mein ideenstiftendes schaffen in einem permanenten sich verflechtenden anders sein und anders wahrnehmen aufgehoben ist – wenn mein handwerkliches schaffen in einem fortlaufenden sich verflechtenden verbundensein aufgehoben ist … wie empfinde ich im werk das gemeinschaftliche, die soziale plastik …

Kosmogramme, zu denen ich eingeladen wurde, stehen für mich damit irgendwie in Verbindung, auch wenn ich mich diesen Zugängen noch sehr vorsichtig und fragend nähere. Sie entstehen nach den Lehren der Geomantie (dem Erleben der unsichtbaren Dimensionen der Natur) als Kommunikationsmittel zwischen Erde – Universum – Mensch, zeugen von energetischen, seelischen Beziehungen. Sie machen Schwingungsmuster der Erde oder des Universums durch die übersetzende menschliche Kreativität für das menschliche Bewusstsein deutlich – oft in Steine gearbeitet und an Orten zur Heilung aufgestellt oder hinterlassen.

Etwas schwingt dabei in mir, wenn ich daran denke wie ich so oft meine Zeichen hinterlasse, wenn ich draußen unterwegs bin – in flüchtigen und vergänglichen Spuren – ohne die Annahme, dass mich dabei eine äußere Kraft der Orte inspiriert. Ich verstehe das als Versuch meine innere Wahrnehmung zu erfassen und sie dem Ort anzuvertrauen … aber ich lasse auch zu jetzt, dass ich natürlich durch die Stimmung der Situation zu meinen Zeichen bewegt werde.

Auch beim Earth Run von Anna Halprin laufen wir mit unserem Bewegtsein an Orten, die Krieg, Gewalt oder Zerstörung erlebt haben und hinterlassen heilende Linien, Botschaften. Unsere persönlichen Versprechen dabei, für was wir laufen, verbinden uns mit einem bestärkenden Gefühl des Zusammenhaltes miteinander, des Friedens über Nationen und mit der Natur > https://planetarydance.org/the-dance/

unsere schwingende sprache entsteht aus Verletzungen – meine schwingende sprache entsteht aus Verletzungen : was heißt das für mich als bildhauer, wenn meine spuren der bewegungen heilen können, wenn meine leeren  hände und gesten bestärken können, wenn meine formenden hände verfestigen können … was heißt das für mich als mensch …

Zu erfahrbaren Antworten auf meine Fragen laden wir alle ein zu unseren Offenen ERMUTIGENDEN Räumen BEWEGENDEN Begegnungen …

Offene ERMUTIGENDE Räume BEWEGENDE Begegnungen

Wo immer ich bin, wo immer wir uns begegnen entsteht ein Raum – ein Zwischenraum, den ich selbst mitgestalte. In unserer SPIEL-RÄUMEN laden wir ein, Räume der Bestärkung zu erleben und selbst zu initiieren – dem unbedeutenden Tun einen wunderbaren Sinn des Erkennens und des Momenthaften schenken – im Miteinander spüren und vermitteln, dass wir gemeinsam diesen Raum erschaffen und bewahren. Wir öffnen Räume der Kommunikation in den unerschöpflichen Sprachen unserer weiten menschlichen Ausdrucksfähigkeit.

BegegnungsWerkstatt im NAHeRAUM 11. Oktober 2019 :

Ein Raum voller überraschender Situationen bei einem gemeinsamen Essen und im gemeinsamen Raum des Findens, des Erfindens von Begegnungen. Ein Raum für Alle im öffentlichen kulturellen Leben einer Stadt, um ein Miteinander ohne Konsum, ohne Erwartungen als kontinuierliche SPIEL-RÄUME zu gestalten. Vorab sammeln wir übrige Lebensmittel von Märkten und bereiten daraus unser kleines Mahl.

BILD-KÖRPER-RAUM war diesmal unser Thema … ein gestisches Schreiben im Raum und ein Summen unseres Namens beginnt. Wir vertiefen uns in eigene Portraits oder Bild-Gegenüber, nähern uns den entstehenden Bildern, geben Spuren und gemalte Kommentare dazu, Dialoge entstehen und auf den Flächen und in Bewegungen, Klängen, auf Projektionen. Wir erleben wieder eine neue Ebene von Begegnung mit viel Offenheit und eigenem Kennenlernen.


 

Unsere Welt in die eigenen Hände nehmen ab August 2019 im Erwachsenenbildungswerk Bad Kreuznach:

Was bringen Menschen aus ihren Heimatländern mit, was in ihrem eigenem Erleben? Ein offener Raum, eine Werkstatt, in der eigene Erfahrungen berührt, in Form und damit in die Welt gebracht werden – mit unterschiedlichen Begegnungen, Materialien und Steinen. Gemeinsame Bilder, Tier-Masken für ein Theaterspiel und andere Impulse entwickeln sich zu einem Miteinander, das von Flucht, Ankommen und Frieden erzählt.

 

 

ZEICHEN SETZEN Stein und Körper mit Martina Zipf 24./25. August 2019:

Bewegte und bewegende Steinbildhauerei _ Wie bewege ich mich, wenn mich Form_Gewicht_Struktur_Größe von Steinen inspirieren? Wie gestaltet sich Stein, wenn wir die klassische Herangehensweise der Bearbeitung verlassen? Wechsel von Bewegungselementen nach Laban und dem bewegtem impulsivem Umgang mit Stein. 

 

CONTACT-CAMP 16. – 18. August in Weißenseifen / Eifel:

Eine Zeit voller Räume des gegenseitigen Berührens und berührt Werdens – umgeben von großen Stein-Skulpturen.

 

draußen_lauschen:

SPIEL-RÄUME in einem Steinbruch mit spielerischem Erkunden / Gestalten und zugleich mit dem Erkennen, dass dieser Stein-Bruch auch eine Wunde ist, die wir durch die Nutzbarmachung der Steine hinterlassen, draußen_lauschen lebt von dem in Beziehung Gehen mit dem Ort, mit Neugier, Berührung, Formung, Dank, Heilung.

10. Juni 2019

wiederkommen : zeit für uns

auflösung <> düfte übergang <> vertrocknetes mandala-feld neuanfang <> der feuchte grund

uns der erde

uns der wunde

unseren impulsen ursprung

anvertrauen

 

Zukunftsforum 23. Nov. 2018 :

Ein SPIEL-RAUM zur Transformation unseres Bildungsbegriffes: Wie kann eine zukünftige Bildung zur Selbstbildung aussehen ? Wir erspielten und erarbeiteten dazu in einem Feld der erweiterten Ausdrucksmöglichkeiten Zugänge zu konkreten Fragen von inklusiver Selbstverständlichkeit.

 

SPIEL-RÄUME sind Räume voller Materialien – mit Menschen voller kreativer Neugier – mit der Zeit als geduldige Begleiterin von schöpferischem Handeln – mit anderen als Gegenüber, um in Kontakt zu treten. Mit unterschiedlichen Materialien entstehen gestaltererische Kommunikationsvorgänge ohne Vorgaben. Ein spielerisches Entdecken, ein künstlerischer Dialog mit Zusammenspiel, bewegenden Prozessen und handelnder Wahrnehmung.

Zeichen Setzen _ WANDLUNGEN

Wie entstehen Zeichen und wie entsteht Wandlung ? Ich schweife ein bisschen umher mit Eindrücken meiner diesjährigen Reise durch Kroatien. Was FORMuliert sich in Zeichen, was zeigt sich, was bleibt Bestehen in Wandlungen ? Welche Zeiträume sind denkbar für mich, in denen sich Zeichen der Wandlung im Stein oder in mir oder in unserem Zusammenleben zeigen ? Ohne viel Wissen über die Entwicklungen unserer menschlichen Zeichen-Setzungen betrachte ich dieses Relief mit einem Erkennen von verbindender Bewegung mit Arbeit und Kommunikation. Wir Menschen bewegen uns – wir bewegen uns, um uns zu ernähren – wir verständigen uns dabei, weil wir irgendwie miteinander wirken müssen, um uns zu ernähren und zu erhalten. Und wir wandeln diese Kommunikation von der Geste, vom Laut zum Wort mit all ihren Zwischenräumen.

Wir Menschen finden Zeichen der Natur, entwickeln erste einfache Zeichen / Zeichnungen / Tänze und dann ein Alphabet – in Kroatien z.B. das glagolitische Alphabet – und können damit für alle verständlich etwas ähnliches FORMulieren. Diese Zeichen und Alphabete wandeln sich fortwährend in ihrer Zeichen-Form sowie ihren Bedeutungen – und bewahren doch – wenn auch manchmal weit entfernt – ihre ursprünglichen Grundformen. In diesen Spiel-Räumen des Verständlichen schweife ich gerne umher, wie in den Kalkbergen Kroatiens mit den Zeichen des Zusammenspiels von Sonne, Wasser und Stein. Ich erinnere die Wissenschaft mit ihrer Erkenntnis, dass das vielartige organische Leben auf der Erde durch die Beweglichkeit der Kontinentalplatten – also durch eine vielleicht auch als Kommunikation verstehbare Beziehung – möglich sein soll. Sie ermöglicht danach die Wandlung und Erneuerung von elementaren Teilchen und Verbindungen, die Organismen nähren.

Ich suche Zeichen und Formen unseres Zusammenkommens – ich suche die Einsamkeit … ich suche unseren Austausch – ich suche die Besinnung. Wir schaffen Räume für all das : den Tisch – die Pfade – die Boote – die Geschichten – die Tänze – das Lauschen … Räume des Momentes in Räumen des Vergänglichen in Räumen des Wandelbaren und  Wunderbaren. Wir fließen miteinander oder nebeneinander aneinander vorbei, wir berühren uns und wir prallen ab – Worte mit ihren Bedeutungen können wie Steine sein und fest manchmal unergründlich – magnetisch abstoßend anziehend und sie können wie Wellen sein und ungreifbar manchmal – spirituell forttragend versinkend. Das Fließen der Kommunikation im Fließen des Lebens.

Ich komme wieder zurück von der Reise und erinnere die kurze Begegnung mit der Heuschrecke auf dem Gipfel einer Insel und die Grillen mit ihrer Kommunikation des Flügelstreichens. Was spielt da alles mit, wenn wir Menschen in einen vielartigen Kontakt kommen und welche wunderbaren SPRACH-WANDEL-RÄUME lassen sich erfinden.

Das UNSICHTBARE berühren

performativer-interaktiver Raum                       Wiesbaden tanzt  21. / 22. Sept. 2018

Sybille Kunkler / Rüdiger Steiner     

ein raum des loslassens, was die augen zu berühren erwarten _ ein schauen durch unsere fingerspitzen und zehenspitzen _ ein lauschen mit unserer haut _ ein neugierig staunend fasziniert sein

es sind da die filmbilder von gleitenden händen fingern > sie berühren die oberflächen die erinnerungen die elemente der erde den stoff des tuches

in diese bilder tanzen hinein die schatten unserer körper unserer bewegungen > sie berühren ein entdecken des spielerischen der gestalt des getrenntseins des verbindens der vorstellung des unsichtbaren

dazwischen tanzen unsere berührungen und die schattenspiele unserer bebegnungen > sie berühren unsere haut unsere netzhaut unsere hirnhaut sie berühren unser fühlen und gefühlen sie berühren ein mögliches vorstellbares erreichen des unsichtbaren

wir sind in musik und klängen zwischen materialien zwischen unseren spuren > wir berühren wellen von rhythmen schwingungen von melodien wir berühren das räumliche das fassbare das sichtbare die elemente der erde

was ist es das wir entstehen lassen das wir erkennen mit unseren tänzen > wir sehen uns selbst wir sehen uns gegenseitig manchmal sehen wir uns auch nicht _ wir streicheln uns mit federn hanf steinen draht wasser _ wir umarmen uns

was ist es das wir entstehen lassen das wir erkennen > wenn unsere nasen dem unsichtbaren lauschen wenn unsere ohren dem unsichtbaren lauschen wenn unsere hüften dem unsichtbaren lauschen wenn unsere füße dem unsichtbaren lauschen wenn wir zusammen aneinander lauschen

das UNSICHTBARE berühren ABDRÜCKE im UNSICHTBAREN hinterlassen

wir geben uns in die hände > mit dem wir formen geben

UNRUHIG BLEIBEN _ Donna J. Haraway

UNRUHIG BLEIBEN und uns ARTENÜBERGREIFEND VERWANDT MACHEN kann als menschliches Bestreben eine Wandlung und eine Zukunft ermöglichen, in der jegliches Lebendige – also Erde, Mineralien, Rohstoffe, Pflanzen, Insekten, Tiere, Menschen – nebeneinander in gegenseitiger Achtung existieren kann. Die derzeitigen Veränderungen unserer Lebensbedingungen mit Klimakatastrophen, Überbevölkerung, Artensterben, Kriegen können mit bewussten VERWANDTSCHAFTEN langfristig so gestaltet werden, dass ein Leben auf der Erde mit seiner Artenvielfalt sich weiter entwickeln kann. Ein neues Zeitalter beginnt.

Björk auf ihrem Album UTOPIA

Diese mich sehr ermutigende und herausfordernde Vision beschreibt Donna J. Haraway in ihrem Buch ‚Unruhig bleiben – Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän‘. Sie stellt darin die gegenwärtigen gesellschaftlichen Zustände und Abhängigkeiten dar, die zu der Ausbeutung und Beeinflussung unserer Lebensgrundlagen und dadurch zur Vernichtung von vielen Lebensformen führen. Sie beschreibt dieses Zerstörerische in erschreckender Deutlichkeit und bezieht darauf gleichzeitig die Chancen und Möglichkeiten, die wir als Menschen mit all unseren sozialen, kooperativen, wissenschaftlichen, künstlerischen, geistigen Errungenschaften haben, um daraus Wege und Formen einer Transformation zu gestalten. Es geht bei diesen Möglichkeiten um Science Fiction – auf den Bedeutungsebenen von Spekulativem Feminismus, Science Fantasy, Science Facts, String Figures – als Erzählen, Weitergeben, Aufnehmen, Fallenlassen, Finden von Geschichten, die etwas vergangenes, gegenwärtiges, zukünftiges VERWELTLICHEN, also etwas in / auf die Welt bringen. VERWELTLICHEN finde ich eine wunderbare Benennung zu all dem, was als Ideen, als Umsetzungen, als Gestaltungen, als Materialien, als Miteinander, als Lebensräume zur Realität wird.

Die Entwicklung unseres menschlichen Bewusstseins und Verhaltens hin zu einem, sich in einer erdgebundenen Gesamtheit wahrnehmenden, einfühlenden und kooperierenden Existenz, wird in dem Buch anhand von zahlreichen natur- / geisteswissenschaftlichen sowie künstlerisch-poetischen Initiativen weiträumig aufgeblättert. Mit Forschungsprojekten und Projekten des Kunst- / Gestaltungsaktivismus, die verschiedenste Zugänge vereinen, um ein allen beteiligten Arten entsprechendes Einlassen zu ermöglichen, werden neue Perspektiven aufgezeigt, die entstehen, wenn tatsächlich ein gegenseitiges Interesse, eine gegenseitige notwendige Beziehung – VERWANDTSCHAFT – oder Abhängigkeit zur Ausgangsbasis des Forschens und Weiterlebens wird. UNS VERWANDT MACHEN steht dabei als Formulierung für ein ‚In Beziehung und Verantwortung gehen‘, womit nicht die familiäre Verwandtschaft gemeint ist: „Sich auf eigensinnige Art verwandt zu machen … Was muss durchschritten und was muss verknüpft werden, damit artenübergreifendes Gedeihen auf dieser Erde eine Chance hat; ein Gedeihen, das menschliche und anders-als-menschliche Wesen in die Verwandtschaft miteinschließt?“

Beispiele aus dem Buch zu wissenschaftlich-künstlerischen VERWELTLICHUNGEN um unruhig zu bleiben:

PIGEONBLOG von Beatriz da Costa war eine Kooperation zwischen Brieftauben, KünstlerInnen, IngenieurInnen und TaubenzüchterInnen zur Sammlung von wissenschaftlichen Daten über Luftqualitätsbedingungen. Pigeonblog war ein Versuch, DIY-Elektronik-Entwicklung mit einer Basis-wissenschaftlichen Datenerfassungsinitiative zu kombinieren, während gleichzeitig die Potenziale der Interspezies-Koproduktion auf der Suche nach resistentem Handeln untersucht wurden. Wie können Tiere uns helfen, auf soziale Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen? Könnte ihre Fähigkeit, Aufgaben und Aktivitäten auszuführen, die Menschen auf diese Weise nicht ausnutzen können, unter Beibehaltung einer respektvollen Beziehung zu den Tieren sein?

https://sites.tufts.edu/surveillanceandart/2017/11/15/beatriz-da-costa-pigeon-blog/

Das CROCHET CORAL REEF ist ein weltumspannendes gehäkeltes Kunstwerk zum Erhalt der weltweit gefährdeten Korallenriffe mit ca. 8000 meist weiblichen Beteiligten in 27 Ländern. Die Zwillingsschwestern Christine und Margaret Wertheim bringen dieses Wachsen eines gehäkelten Riffes in die Welt als „sympoietische Verknotung von Mathematik, Meeresbiologie, Umweltaktivismus, ökologischer Bewusstseinsbildung, weiblicher Handarbeit, Textilkunst, Museumsausstellung und gemeinschaftlicher Kunstpraxis.“. Mit Projekten und Ausstellungen ihres ‚Institute for Figuring‘ wird ein erweitertes Verständnis von physikalischen und mathematischen Themen greifbar gemacht.

http://ginfuelledbluestocking.co.uk/wp-content/uploads/2014/01/IFF-CrochetReef-HowToHandout.pdf

http://theiff.org/about/about.html

AKO-PROJEKT – Bücher für Kinder in Madagaskar, die aussterbende Lemuren ins Bewusstsein bringen und sie Wiederbeleben, sind das Geschenk der Verhaltensforscherin Alison Jolly nach jahrzehntelanger liebevoller Beobachtung und Annäherung an diese Affenart. In den Büchern erzählt sie die Abenteuer von jungen kühnen Lemuren der verschiedenen Spezies, die Freuden und Gefahren ihres Lebensraumes und soziale Regeln durchleben. In Kooperation mit anderen WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen bewahren diese Bücher eine Anstrengung für das Zusammenleben mit unseren tierischen MitbewohnerInnen.

http://www-personal.umd.umich.edu/~fdolins/berenty/ako/index.html

NEVER ALONE ist ein Computer-Weltspiel, das die Spielentwickler zusammen mit den Inupiat, einer First Nation Alaskas, entwickelt haben. Es vermittelt innerhalb der Spielhandlungen die Kultur der Inupiat und spielt an auf eine sich erwärmende und dahin schmelzende Arktis, die den Lebensraum der Inupiat bedroht. In der Rolle eines Inupiat-Mädchens und eines Fuches wird die Suche nach den Ursachen eines alles bedrohenden nicht-enden-wollenden Sturmes gespielt. Niemand handelt allein auf dieser mutigen Suche, um die Leute und ihr Land zu retten, in der auch animistische Wesen ihre Realität haben.

http://neveralonegame.com/game/

BLACK MESA ist das angestammte Land der Hopi und Diné, das den Navajo und Hopi als Reservat überlassen wurde. Das darin befindliche ergiebige Kohlevorkommen wird von Unternehmen vereinnahmt, der Abbau fordert immense Mengen an vorhandenem Quellwasser, das die Navajos und Hopis für Landwirtschaft und Schafzucht brauchen. Ein langer Konflikt um diese Lebensgrundlagen mit gewaltsamer Unterdrückung, Zwietracht und Vertreibung bestimmt das Leben. Der Erhalt der Navajo-Churro-Schafe durch Mithilfe von AktivistInnen und WissenschaftlerInnen stärkte die Hirtentätigkeit, den Wollhandel , das Weben und damit die ökologischen und sozialen Lebensbedingungen. Das ermutigt auch für die Forderungen für ihre Lebensgrundlagen und Initiativen unterstützen die Rechte der Navajo und Hopi, befassen sich mit dem Wassermangel, der Kohleausbeutung, der Lohnabhängigkeiten und Gesundheitsproblemen. Ein umfassendes Verweben von Ideen und Aktionen für ein Heilen der Erde und der erfahrenen Unterdrückung.

https://www.nativemovement.org/bmwc/

In einer utopischen Geschichte von CAMILLE, über fünf Generationen bis in das Jahr 2425, entwirft Donna J. Haraway im letzten Kapitel eine lebensgemeinschaftliche, genmanipulierte und bewusstseinserweiterte Evolution oder Transformation, die bedrohte Arten in Verbindung und mit gegenseitiger ‚Befruchtung‘ in ‚menschlichen‘ Körpern weiter leben lässt. Für mich eine vorstellbare, erleichternde und gleichzeitig atemberaubende Möglichkeit, wenn man sieht wie sich Genmanipulation und die künstliche Intelligenz schon in die menschlichen Körper hinein operiert.

Wie sehe ich nach dem Lesen dieses Buches meine Verwandtschaft zu anderen Arten, zu Steinen, die mich immer wieder ansprechen? Wie mache ich mich verwandt mit ihrem Wesen, das da ist und entsteht, wenn ich mit ihnen hantiere, sie bearbeite? Diese Frage und Herausforderung lässt mich belebend unruhig bleiben in meinen Berührungen, Bewegungen, Spielen und Verweltlichungen mit ihnen.

DAS UNFASSBARE – ein SIMPLES SPIEL

Meine Arbeit mit einem zu erfassen suchen – von irgendwie unfassbaren menschlichen Bereichen, Entwicklungen, Themen – führte mich zu 6 kurzen Texten. Sie kreisen um universelle Wahrheiten und menschliches Unvermögen, um träumerische Archetypen und poetische Sprachschöpfungen oder auch einfach um zufriedene, in sich versunkende Seinszustände. Ein Artikel über Filme von Joshua Oppenheimer Act of killing / Look of silence mit Tätern im indonesischen Völkermord 1965/66, ein Text über Jean Gebsers Bewusstseinsevolution hin zu einem aperspektivischen Zeitalter mit einem dynamischen Formverständnis, das Gedicht TOKIO VOGELHAUS  für Kazuko Shiraishi von Ira Cohen, 6 Ratschläge oder Wahrheiten des buddhistischen Mönches Tilopa, eine Darstellung des Flusses des kollektiven Unbewussten als eine archaischen Erbschaft nach C.G. Jung und Sigmund Freud und 6 eigene Fragen zu dem Fortbestehen von gesellschaftlichem / gemeinschaftlichem Leben in unterschiedlichen Menschheits-Epochen.

Ich gestalte dafür Raumsituationen, in denen bei performativen / tänzerischen Handlungen Objekte, Plastiken, Bilder entstehen, die ich fotografisch dokumentiere. Diese entstehenden „Werke“ geben meinen dabei erfahrenen Prozessen und Erkenntnissen eine Form und Gestalt.

Der HERZKÖRPER  sich dem Unfassbaren entgegen bereitend

Die VERZWEIGKÖRPER – eine Serie von 6 Holzplastiken

Der ERKENNTNISKÖRPER – verschiedene Selbst-Inszenierungen

Durch dieses in BEZIEHUNG SETZEN zu den Texten, das für mich eine Möglichkeit des intuitiven und teilweise bewussten ERFASSENS öffnet, wandelt sich das Unfassbare in mir zu einer intuitiven und teilweise bewussten HANDHABUNG mit persönlichen und menschheitsgeschichtlichen Elementen  – wie ein spielerischer Umgang, bei dem es um eine individuelle Wahrheit geht, mit der ich wiederum in BEZIEHUNG gehen kann – mit Themen, Objekten, Menschen, Natur.

Meinen eigenen Prozess führe ich jetzt gemeinsam mit anderen weiter in persönlichen SPIEL-RÄUMEN zum künstlerischen <> lebendigen  SELBST. Dabei ändern und öffnen sich meine persönlichen Erkenntniss-WERKE in mir und in den Objekten, sie verbinden sich zu neuen Konstellationen des unfassbar spielerisch Greifbaren.