Begegnung durch Kunst

spielerisch überrascht werden – spielerisch in Berührung kommen

Kunst erlebe ich als Übungs- und Gestaltungsfeld für persönliche / gemeinschaftliche Prozesse und Entwicklungen. Meine eigenen Erfahrungen aus künstlerischen Projekten sind für mich die Grundlage meiner Seminare.

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Mir stellt sich die Frage: wenn ich im Sinne einer SOZIALEN PLASTIK an gemeinschaftlichen / gesellschaftlichen Prozessen arbeiten möchte, welche Voraussetzungen brauche ich dafür? Ich erkenne, dass ich dabei in gleichem Maße an meiner eigenen authentischen ICH-GESTALT arbeiten muss, die ein Teil einer SOZIALEN PLASTIK werden kann.

LifeArt – Soziale Plastik – Werksatz – Permanente Kreation

Erweiterte Kunstpositionen und Kunstansätze der Gegenwart sowie der nahen Vergangenheit sind für mich wichtige Inspirationsquellen für die Auseinandersetzung mit einem Kunstverständnis, das Wirkung, soziale oder persönliche Prozesse, ästhetische oder persönliche Erfahrungsmomente als KUNST-WERK versteht.
Ich bin durch die Betrachtung und die Beschäftigung mit Menschen, die in dieser Richtung arbeiten, auf eine intuitive Weise angesprochen, versuche teilweise in eigenen künstlerischen Arbeiten zu erleben und zu verstehen, wie sie mich ansprechen und wie das dann in mein gesamtes Handeln einfließt. Diese Erlebens- und Verstehungsprozesse möchte ich öffnen für gemeinsames Entdecken und damit Erweiterungen und Verbindungen von Kunst und Leben einen Raum geben. Auf dieser Seite versuche ich einige meiner Zugänge zu formulieren.

Sind wir auf dem Weg, dass Kunst-Orte wie Museen, Theater, Galerien zu Orten der Begegnung und eines sozialen Wachstums werden? Zunehmend nehme  ich Partizipation in der Kunst als Zusammenspiel von Laien, Publikum, professionellen KünstlerInnen aller Sparten wahr, mit der entstehende Situationen mit all ihren Erfahrungsmöglichkeiten und unterschiedlichen Gestaltungsebenen als Kunst- / Bühnenwerke anerkannt sind. Das ist ein wichtiges Thema auch für mich und öfters frage ich mich in den „inszenierten“ institutionellen Partizipationsprojekten nach dem Grad der gleichberechtigten schöpferischen Teilhabe. Kann mich dem Eindruck nicht erwehren, dass „KünstlerInnen-Persönlichkeiten“ dabei auch einen Rahmen setzen für die eigenen Werke.

In einem Artikel zu dem Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Aby Warburg, der das Nachleben der Antike in den unterschiedlichsten Bereichen der abendländischen Kultur bis in die Renaissance zum Gegenstand seiner Forschung machte, weckte ein Satz mein Interesse zu der Frage, was denn die Akzeptanz von Kunst in unserer „Hochkultur“ und in unserem alltäglichen Leben verbindet oder trennt. Moritz Scheper schreibt dazu im freitag vom 15.9.2016: „ … Warburg war keinesfalls der große Nivellierer, der Botticelli neben Brausewerbung stellt und die „Würdeabstände zwischen Kunst und Kult, Fetisch und Gebrauchsgegenstand, kulturellem Zeremoniell und Alltagsritual, Kennerschaft und Massengeschmack augenscheinlich gegen Null schrumpfen lässt“. Sind das also die Dialogpartner in der Auffassung von „Ernsthaftigkeit“ und „Oberflächlichkeit“, die sich im Rahmen vieler partizipatorischer Kunstansätze annähern, ergänzen oder ausschließen? Ein wahrscheinlich schon immer fließender Prozess von kulturellen Neuerungen und Traditionen, die sich ins alltägliche Miteinander ausweiten. In den folgenden Werken erlebte ich Ebenen, die diese Dialoge zwischen Alltag, Zeremonie, Kunst, Pop-Kultur für mich berühren, die mir Bezüge öffnen, die mich fragen lassen.

La Traversée & Sur le fil, ein Stück der Compagnie Nacera Belaza aus Algier / Paris. „Mit ihren Stücken bewegt sich die Choreografin in den Randzonen des Bewusstseins und forscht nach Elementen, die unterschiedliche Welten verbinden. Ihre Stücke sind intensiv, radikal zeitgenössisch, spirituell, persönlich und meditativ zugleich. Dabei ist die Choreografin immer auf der Suche nach „einem Raum, in dem Zeit keine Rolle mehr spielt, einem Raum, in dem wir das Unendliche berühren und endlich etwas teilen können“. Wenige klar definierte Gesten genügen Belaza und ihren Tänzerinnen bereits, um einen kraftvollen Sog auszuüben, der das Publikum mitten in die Bewegungen zieht.“ Ich empfand das Stück auch als ein mich tief berührendes Eintauchen in eine nicht definierbare Welt der Bewegung und des Lichts, des Zwischenraums von Bewusstheit und Flüchtigkeit. Es hatte auch für mich etwas sehr Rituelles, wie die Drehtänze der  Derwische, in einer sehr eigenen Sprache und Offenheit. Wir hatten als Publikum Teil daran und doch fühlte ich mich in unseren Stuhlreihen als  als üblicher Zuschauer. Es ist immer wieder mein Gefühl und meine Suche, wie in den Institutionen unserer Kultur und in unserem Alltag tatsächlich mehr gemeinsamer Raum entstehen kann? Nacera Belaza mit ihre Tänzerinnen macht einen wunderbaren Schritt in diese Richtung und das Hineinwirken ihrer Arbeit in den Alltag macht sie auch in kulturellen Projekten in Marokko und Algerien oder in der Jugendarbeit.

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https://www.cie-nacerabelaza.com/

Jeremy Wade Together forever: Wir sitzen als Publikum vor einem großen Spiegel und können uns darin gegenseitig anschauen. Wir werden alle persönlich mit Namen angesprochen, mit persönlichen Fragen, die wir beantworten – mehr oder weniger persönlich. Eine intime Nähe entsteht, ein sich Öffnen und Zeigen. Eine Bühne für die persönliche Begegnung sich nicht kennender Menschen – eine Zeremonie? Wir wechseln den Raum, spucken in eine Schale, betreten einen Speisesaal, unsere gesammelte Spucke wird in die Blumentöpfe unserer Tafel gegossen. Ein ironisches Festreden und Prosten beginnt, was die vorherige persönliche Stimmung für mich auflöst – ein oberflächliches Alltagsritual? Wir setzen uns als Paare an die Tafel – eine Person stellt sich vor, nicht Sprechen zu können, die Arme nicht bewegen zu können, sie wird von der anderen Person gefüttert. Ich werde gefüttert, erlebe das angewiesen sein auf mein Gegenüber, erlebe Momente, in denen ich mich nicht verständlich machen kann. Erlebe Dankbarkeit für die Hilfe. Wir schauen uns dann schweigend 10 Minuten in die Augen, wer ist mein Gegenüber, wen kann ich erkennen? Wieder eine Bühne persönlicher Erfahrung, genährt von Methoden und Begegnungs-Übungen, die ich aus Workshop-Zusammenhängen kenne – ein Alltagsritual, ein erfahrbares Lernfeld? Wir verlagern unsere Positionen auf den Boden, auf Kissen und Decken, suchen Handlungen, die wir nur gemeinsam machen können: singen, stille Post, umarmen. Wir werfen Konfetti in die Luft – Zeremomie, Ritual, Spiel, Event, Kult – alles gemeinsam? Ich verließ das Theater mit der Frage: was war Theater und ich darin Zuschauer, was war alltägliche menschliche Begegnung und Erfahrung? Die fließende Grenze macht das zu einem bewegenden Erleben.

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http://www.jeremywade.de/desktop.html

TWERKING – ein Aufsehen erregender Tanzstil. Rhythmisches Schütteln des Pos – verwurzelt in jahrhundertalten, sexuellen und rituellen Tänzen, die zur Anregung der Fruchtbarkeit dienten und ebenso auch als Verhütung, bei der die Befruchtung im Uterus „abgeschüttelt“ wird. Twerk wurde in der Karibik zu einer Praktik der Diaspora, zu einer Bewegung der Selbstermächtigung und des verstreut seins – ein stärkendes Ritual.  In den 1990 Jahren begann der Aufstieg in die Tanzwelt und, durch MILEY CYRUS, seit 2013 die schonungslose Vermarktung in der Popkultur – Kult und Massengeschmack? Ist diese Ausweitung, Vereinnahmung ein Schritt zur Befreiung von vielen Menschen, die daran teilhaben können, oder werden dabei einst stärkende Kräfte ritueller Handlungen, die Minderheiten eine gemeinsame Identität geben können, ihren Kräften beraubt und zu äußerlichen Produkten  reduziert? Öffnen sich die Wirkweisen der Rituale tatsächlich zu sozialen, persönlichen Begegnungen? Der Tänzer niv Acosta versucht in seinen Performances die Ursprünge des Twerking zu bewahren und die Deutungshoheit über den eigenen Körper zurückzuerobern. Mit seinem Stück “Discotropic” vergewissert er sich seiner selbst und zeigt, was es für ihn bedeutet, schwarz zu sein.

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http://www.nivacosta.com/DISCOTROPIC

Jan Martens: „THE COMMON PEOPLE will ein Ruhepunkt und ein Angebot zum Umlernen sein. Umlernen beim Beobachten, Konzentrieren und Kontakt aufnehmen.“ In einer Gesellschaft, in der Menschen fast nur noch über das Internet kommunizieren, versucht “THE COMMON PEOPLE” verschiedenste Personen auf eine menschlichere Art und Weise, persönlich, intensiv, intim sowie auf einer körperlichen Ebene zusammenzubringen. Der belgische Choreograf Jan Martens und der Filmregisseur Lukas Dhont laden Bürgerinnen und Bürger zu einer Serie von „Blind Dates“ ein. Nach kurzen vorbereitenden Workshops treffen jeweils zwei Menschen aufeinander. Ausgestattet mit einfachen Handlungsanweisungen, gestalten sie in kürzeren performativen Duetten ihre individuelle Interpretation von Themen wie Annäherung, Austausch und Vertrauen. Parallel zu den Aufführungen gibt es eine INSTALLATION, in der die digitale Identität der Teilnehmer im Mittelpunkt steht. Ihre Smartphones sind auf Sockeln zugänglich und gewähren Einblicke in all ihre persönlichen Daten und in ihre Kommunikation.

Mich hat dieses Stück oder dieser Versuch angeregt und nachdenklich gemacht. Die Gegenüberstellung von einem „sich berühren lassen – sich sichtbar machen“ in den sozialen, medialen Netzwerken mit den körperlichen, direkten Annäherungen / Berührungen hat mir unsere gegenwärtige Lebenswelt sehr bewusst gezeigt. Wie sehr diese gegensätzlichen Kontaktversuche auseinander gehen können, welche Vorsicht, welche Sehnsüchte oder Ängste damit verbunden sind. Betroffen gemacht hat mich die Möglichkeit in die ganz privaten Sphären der Leute zu dringen, indem ihre Smartphones verfügbar waren – und dass das auch von uns ZuschauerInnen genutzt wurde. Ich konnte alles mit Neugier anschauen, und doch blieben wieder Fragen.

Ich kenne aus Workshops zu persönlicher Entwicklung, persönlicher Körperwahrnehmung / Bewegung, die heilenden und stärkenden Ebenen des miteinander in Berührung Kommens. Einige der Handlungsanweisungen zu den Duetten waren für mich ähnlich – auch mit dem Aspekt des gesehen Werdens durch andere. Mir stellt sich die Frage, welche Rolle wir als ZuschauerInnen bei dieser Aufführung hatten? Sollen wir auch bewegt werden zu einer Offenheit des gegenseitigen Annäherns, sollen wir ZeugInnen sein, die die Paare auf der Bühne bestärken? Wofür braucht das ein Publikum? Hätten die TeilnehmerInnen nicht auch untereinander diese Begegnungen und Erfahrungen machen können? Inwieweit waren sie selbst beteiligt bei der Findung von authentischen Bewegungen, ging es überhaupt darum? Inwieweit war es „choreografiert“ durch die gesetzten Aufgaben? Waren wir als ZuschauerInnen auch Voyeur, wurden die Paare auch ein bisschen vorgeführt?

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http://www.janmartens.com/the-common-people-2016.html

Schön, dass all diese Schritte, Versuche, Inszenierungen, Begegnungen auf den unterschiedlichsten Ebenen erfahrbare Räume schaffen, um eine andere, erweiterte Form des bewussten Miteinanderes und der sozialen Kunst zu üben und zu gestalten.

Das Ankommen der Sehnsucht

Im Rahmen von MENSCHWERK – Aschaffenburg 24. – 26. März 2017

Eine bespielte und bespielbare Installation der Begegnungen, der Wandelungen, in denen Objekte von zwei meiner bisherigen prozesshaften Arbeiten verbunden wurden.

  1. Die Skulptur bin ich mit euch – mit einer gesellschaftlichen, politischen Auseinandersetzung
  2. HAUT-TUCH – das wie ein Spiegel meine Sehnsucht nach GANZ SEIN aufbewahrt

Ein Zusammenspiel zwischen meiner SEHNSUCHT nach greifbaren, sichtbaren Formen, und den ERFAHRUNGEN, die ich durch die Formwerdungen meiner SEHNSUCHT erlebe. Diese Sehnsucht betrifft das Bedürfnis nach Begegnung sowie nach der Verantwortung etwas in die Gemeinschaft zu geben, zu teilen, sich mitzuteilen, das Bedürfnis nach einer spielerischen Neugier, das Bedürfnis des Begegnens mit Achtsamkeit, mit Menschlichkeit, für ein Üben von friedlichem Miteinander. Durch meine künstlerischen Prozesse entsteht eine veränderte innere Haltung mit einem permanenten Prozess der Annährung und Gestaltung von Begegnungen – mit uns selbst, mit Materialien und mit Anderen. Die Installation ist ein Handlungs- / Spiel-Raum, in dem die Verarbeitungen von gesellschaftlichen, persönlichen Themen mit emotionalen-selbsterfahrbaren Aspekten verbunden und zum Ausdruck gebracht werden konnte. Versuche von persönlichen Wandlungsschritten in Form von künstlerischen-performativen oder auch spielerisch-rituellen Prozessen.

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Über drei Tage fanden diese Prozesse statt, begleitet von dem Gedicht LIEDER VOM WANDEL von Romaine Moreton:

Am ersten Tag mit dem performativen Einbringen meiner Objekte, Bewegungen und deren Verbindungen. Ich arbeitete mit Fäden und Texten, empfand mich verletzbar, im Schutz meines Materials, meines eigenen Raumes und fragte die Schauenden: Was ist es für dich, wenn du es siehst … wenn du es berührst … wenn du es öffnest?

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Am zweiten Tag bespielten wir zu fünft die Installation – ein Wechselspiel von offener Begegnung und eigener Konzentration. Wir öffneten den Spiel-Raum, luden die Schauenden ein. Die Objekte mit meinen Bedeutungen öffneten sich zu SPIEL-MATERIALIEN, deren Bedeutungen erweitert wurden, Bienen kamen dazu. Der Raum bekam Wege / Begegnungen / Zufälliges / Gesuchtes. Ich meißelte in die Wand: Meine Sehnsucht seid ihr. Ich erlebte ein eingebunden sein und einen Schutz in dem gemeinsam Entstehenden.

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Den dritten Tag erlebte ich als weiteres Öffnen und Verbinden des persönlichen und räumlichen INNEN & AUSSEN. Ich empfinde die Bienen als eine neue Haut des Gemeinsamen, des gegenseitigen, lebendigen, tanzenden, kommunikativen eingebunden Seins. Ich präsentierte mich, Leute kamen dazu, die Wände wurden bemalt, ich schrieb auf die Wände: Mein vorsichtiges Berühren des Gemeinsamen. Für mich entstehen wachsende Keime der Begegnung, der gemeinsamen Kreativität – Lebensgestaltung.

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Verschiedene Ebenen waren für mich in mir, im Raum, zwischen uns spürbar da:

- Etwas Persönliches in Form meiner persönlichen Objekte mit biografischen Inhalten und meinem persönlichen Schritt, mich damit zu zeigen und in Begegnung zu gehen.

- Etwas Künstlerisches in Form der Kommunikation über künstlerische Ausdrucksmittel und der Übertragung künstlerischen Handelns in bewusste Wahrnehmung und Gestaltung von Begegnung.

- Etwas Gesellschaftliches in Form der Inhalte meiner Buch-Hefte und in dem Versuch Freiheit und eigene Kreativität erlebbar zu machen.

- Etwas Naturverbundes / Spirituelles in Form des „rituellen“ Charakters mit Verwendung von natürlichen sowie (individuell) bedeutenden Elementen.

Ich fühle mich angekommen in einem Annehmen einer natürlichen, ehrwürdigen Wesenheit in uns selbst. Und die Gestaltung einer Verbindung zu ihr ist der Weg meiner Kunst.

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Romaine Lorquet

John Berger schreibt über die Bildhauerin Romaine Lorquet und ihre Bildwerke aus Stein, die sie rund um ihr Bauernhaus in Lacoste / Vaucluse  unter Bäumen auf dem Boden oder im Unterholz den Wurzeln und Gräsern überlässt. Ich nehme seine Worte fasziniert und staunend auf, bin angesprochen von seinen Beschreibungen seiner Erfahrungen mit diesen Bildwerken –  im Einklang mit der Natur, die eine Abgrenzung der Kunst ablehnen:

Selbst auf der Erde, unter den Fruchtbäumen, stellen sie (die Bildwerke) die gewohnte Grenzlinie zwischen Natur und Kunst in Frage. Sie täuschen uns und lassen uns glauben, sie gehörten, weit jenseits dieser Grenze, ins Reich der Natur. Vielleicht nehmen sie den Raum ein, den die Kunst unbesetzt ließ, als sie ihre magischen Kräfte über die Natur preisgab.

Die Erfahrung, die diese Bildwerke mitbestimmt, ist auch die Erfahrung unserer eigenen Körper. Die Bildwerke funktionieren wie ein Spiegel. Nicht wie ein Spiegel, der das Innenleben leugnet, indem er nur die Oberfläche reflektiert, sondern wie der Spiegel, der die Augen eines Anderen für uns sind. Sie werfen nicht unser Bild zu uns zurück, sondern eine Anerkennung unseres körperlichen Daseins. In Ausnahmefällen, in Augenblicken der Offenbarung, kann man sich auf ähnliche Weise von einem Baum, einem Kornfeld, einem Fluss wiedererkannt fühlen. Die Bildwerke vermitteln uns, aus der Natur, etwas vom Potential dieser Erfahrung.

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Die Verweigerung dieser Bildwerke ist funktionell, weil die Kultur, in der sie operieren müssten, unfähig ist, zwischen Gesellschaft und Natur zu vermitteln. … Sie gehen von einer sehr innigen Naturbeobachtung aus; und dann versuchen sie, im Alleingang, diese Beobachtungen und Einblicke wieder zur Natur in Beziehung zu setzen. … Hier wird der Vorgang unmittelbar, einfach und körperlich, weil die Bildwerke sich kaum von der Natur gelöst haben. Sie lehnen die Distinktion der Kunst in unserer Zeit ab.

Diese tiefgreifende Einsicht in die menschliche Beziehung zu Natur – unter anderem durch Kunst – und damit zur menschlichen Natur vergleicht John Berger mit einem Gedanken von Karl Marx:

Das menschliche Wesen der Natur ist erst da für den gesellschaftlichen Menschen; … als Grundlage seines  eigenen menschlichen Daseins. Erst hier ist ihm sein natürliches Dasein sein menschliches Dasein und die Natur für ihn zum Menschen geworden. Also die Gesellschaft ist die vollendete Wesenseinheit des Menschen mit Natur, die wahre Resurrektion der Natur, der durchgeführte Naturalismus des Menschen und der durchgeführte Humanismus der Natur.Panorama View- 1958Schwer fassbar für mich und doch entfernt spürbar in einer denkenswerten Form der Einheit.

Die platonischen Körper

  24. Spielraum für kreatialogische Entdeckungen 18. Februar 2017

Ein Spiel und ein Annähern an die platonischen Körper, die von größtmöglicher Symmetrie gebildet sind. Ein harmonisches, rhythmisches Wachsen und Form Werden, das in ihnen sichtbar werden kann. Elementare Verbindungen von Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther mit all ihren Kräften, Durchdringungen und Konstellationen. In unserem Spiel entstanden geometrische Formen aus Ton und Draht und Fäden, in räumlichen Verbindungen / Konstruktionen. Darin persönliche und gemeinsame Installationen, die in eigener Weise den platonischen Körpern mit ihren Aspekten kleine Inseln des Nachsinnes und Verweilens schufen. Die Konstruktionen des Miteinanders in der bewussten Absichtslosigkeit, im Flug von Bällen, in Berührungen von Stirn und Stirn, in Klängen der Materialien, im Anknüpfen an entstandenen Körpern … und am Ende Konstellationen durch ein vorsichtiges Einfügen von bunten Akzenten in Balance, in Zwischenräumen …

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In den Spielräumen für kreatialogisches Entdecken werden Materialien zur Verfügung gestellt, mit denen Gestaltungs-/Kommunikationsvorgänge ohne Absprachen/Vorgaben entstehen. Ein Verweilen im spielerischen Entdecken, aus dem das jeweilige Erlebte als Impulse wahrgenommen werden kann und eine direkte Form/Bewegung bekom   mt. Ein Versuch zu einem gestalterischen Dialog mit einem Zusammenspiel, formenden Prozessen und handelnder Wahrnehmung.

Colors in our feeling – playing – praying

Ein SPIEL-RAUM auch als ein Raum der Spiritualität. Mit Herbert Elsky -  in seinem  La Baluba Klang-Theater in St Yrieix sous Aixe, Frankreich – begegneten wir uns eine Woche in verschiedenen SPIEL-RAUM-Situationen, in denen wir mit zeremoniellen Aspekten spielten. Wir begannen jedes Spiel mit Ritualhandlungen aus dem Shambala-Buddhismus und mit Trommelklängen, als ein Öffnen und Anstimmen unserer Begegnungen auf einer persönlicheren, verbundeneren Ebene. Dadurch bekam unser Umgang miteinander und mit den Gegenständen / Materialien eine noch weniger ergebnisorientierte Ebene. Wir erlebten wunderbar ergreifende Momente, Übergänge von Wahrnehmung – Ausdruck – Moment – Verflüchtigung, die sich in unserem Spiel zwischen uns gestalteten und immer auch ihre ansprechenden Spuren hinterließen.

p11207814. August construction with transience … dsc_08815. August touched by the reborn spiral …  dsc_09406. August – winged space and voice …p11208107. August – swinging impulses of memoryp11208258. August – we embrace the play of our feelings …

URSPRUNG und BEGEGNUNG in Steinen

In der LEERE freilegen _ In der FORM berühren

Workshop mit Erkundungen / Installationen mit Matthias Heidel 1.- 3. Juli 2016

Vor 32 Millionen Jahren erstarrte am Arensberg in der Eifel die Basaltlava eines Vulkanausbruchs und wurde später von Menschen abgebaut. Mit 9 Personen begaben wir uns dort zu den Ursprüngen der Erdoberfläche und zu eigenen inneren Quellen. Wir erlebten Impulse, brachten uns in Beziehung  über Zeichnen, Schreiben, Bewegen oder körperlichen Kontakt. Spuren und Strukturen der geologischen Entstehungsprozesse des Fließens und Erstarrens öffneten Zugänge zu unserem eigenem Erleben und dem Finden von eigenen Formen. Auf dem Bildhauergelände der Künstlersiedlung Weißenseifen gaben wir diesen erfahrenen Impulsen Gestalt mit der bildhauerischen Bearbeitung von Stein und hinterließen als Dank zum Abschluss vergängliche Spuren in dem Steinbruch.

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STEINE: beARBEITen UND beSPIELen

Mit Dirk Marwedel (12. Juli 2015)
Wie entsteht eine Skulptur in hörbarer und handwerklicher Art?

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Schieferplatten, Sandsteinquader, Kieselsteine waren für uns die Instrumente, mit denen wir diese Frage im Rahmen des Klang-Kunst-Festivals AUFS GANZE GEHEN in der Walkmühle Wiesbaden bespielten und bearbeiteten. Wir hauten 2 runde Zylinder aus den Sandsteinen, einen runden Durchbruch in eine Schieferplatte und bauten aus diesen Elemente verschiedene Skulpturen. Es klangen rhythmische Schläge und Schläge nebeneinander – kratzen, schaben, kullern von Werkzeugen und Kieseln – schieben, walzen, fallen von Steinen – fließen von Wasser. Eine sehr wechselhafte Klang-Skulptur gestaltete sich über 8 Stunden – ein Changieren und Balancieren zwischen Bildhauerei, Klangkunst und Performance.

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Koralle

Spielraum für Zeichen- und Sprachformen 1 (23.5.2010)

Performance zu einem “Organismus” aus Texten, Materialien, Bewegungen, der versuchte sich einer Sprache zu nähern, eine Grenze von Sprache zu überschreiten: Sprache der Steine, Sprache von Ideogrammen, Sprache des Körpers, Sprache der Handlungen, Sprache von Material, Werkzeugen.

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Koralle verwendete Texte von Henry Michaux “Ideogramme in China”, Robert Filliou “ein Sublimat aus 1000 Gedichte japanisch”, war inspiriert durch “Place de L’Ecriture” von Joseph Kosuth.

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