Begegnung durch Kunst

spielerisch überrascht werden – spielerisch in Berührung kommen

Kunst erlebe ich als Übungs- und Gestaltungsfeld für persönliche / gemeinschaftliche Prozesse und Entwicklungen. Meine eigenen Erfahrungen aus künstlerischen Projekten sind für mich die Grundlage meiner Seminare.

Zu meinen Angeboten der SPIEL-RÄUME finden Sie / findest du hier Termine  und Einblicke:

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Mir stellt sich die Frage: wenn ich im Sinne einer SOZIALEN PLASTIK an gemeinschaftlichen / gesellschaftlichen Prozessen arbeiten möchte, welche Voraussetzungen brauche ich dafür? Ich erkenne, dass ich dabei in gleichem Maße an meiner eigenen authentischen ICH-GESTALT arbeiten muss, die ein Teil einer SOZIALEN PLASTIK werden kann.

LifeArt – Soziale Plastik – Werksatz – Permanente Kreation

Erweiterte Kunstpositionen und Kunstansätze der Gegenwart sowie der nahen Vergangenheit sind für mich wichtige Inspirationsquellen für die Auseinandersetzung mit einem Kunstverständnis, das Wirkung, soziale oder persönliche Prozesse, ästhetische oder persönliche Erfahrungsmomente als KUNST-WERK versteht.

Ich bin durch die Betrachtung und die Beschäftigung mit Menschen, die in dieser Richtung arbeiten, auf eine intuitive Weise angesprochen, versuche teilweise in eigenen künstlerischen Arbeiten zu erleben und zu verstehen, wie sie mich ansprechen und wie das in mein gesamtes Handeln einfließt. Diese Erlebens- und Erkenntnisprozesse möchte ich öffnen für gemeinsames Entdecken, damit Erweiterungen und Verbindungen von Kunst und Leben einen Raum geben. Auf dieser Seite versuche ich einige meiner aktuellen Anregungen und Versuche zu formulieren.

VERKÖRPERTE BEZIEHUNG – VERKÖRPERTES MITEINANDER entdecke und erlebe ich zurzeit in Authentic Movement und in der Contact Improvisation – beides erweitert meine eigenen Zugänge einer plastischen Gestalt-Werdung. Ein Gestalt-Werden in meinem Wahrnehmen und im Bewusstsein meines Körpers, meiner Begegnungen, meiner Erfahrungen. Das lebendige Plastische und Skulpturale, wozu ich selbst SPIEL-RÄUME und Begegnungsfelder schaffe, in denen nach Joseph Beuys „eine zwischenmenschliche Wärme etwas zwischen uns Menschen entstehen lässt“, erfährt in mir durch die Praxis von Authentic Movement und Contact Improvisation eine neue körperbewusste Dimension, die viel an Neugier und Leichtigkeit öffnet, gleichzeitig auch ins Gesellschaftliche sowie Spirituelle reicht.

Janet Adler erweitert seit den 60er Jahren Authentic Movement – ursprünglich von der Tanztherapeutin Mary Whitehouse entwickelt – zu einer Achtsamkeits- und Bewusstseinsschulung, die sie Discipline of Authentic Movement / Weg Authentic Movement nennt. Ein Übungsweg, bei dem das Zusammenwirken von Individuum, Gemeinschaft und spiritueller Praxis erforscht wird. Mit geschlossenen Augen, mit unseren Bewegungen, geben wir uns dabei zu zweit oder in Gruppen abwechselnd als uns anschauende Gegenüber hin – wir bewegen uns, wir lassen uns bewegen, wir werden gesehen, wir sehen uns, wir werden bezeugt, wir bezeugen uns. Im Nacherleben der eigenen Bewegungen, durch ein bewusstes Aussprechen ohne Analyse oder Interpretation, FORMULIEREN wir als Bewegerin/er dann unterschiedliche Gestalt-Ebenen unserer Erfahrungen. Wesentlich dabei ist die Wahrnehmung und Ausformung einer/s inneren und äußeren Zeugin/en als Weg zu unserem authentischen Selbst, das als Teil eines Ganzen lebt. Adler nennt diesen gemeinsamen mystischen Weg „Verkörperte Beziehung“, da wir erst durch die Begegnung, durch ein wahrgenommen und angenommen Werden, eine eigene authentische Gestalt bilden können.

Ich erlebe auf diesem Weg immer wieder überraschende Bewegungsformen, die sich aus einem Spüren in mich hinein zeigen, Gestalt bekommen – und das tatsächlich immer mit dem vertrauenden Wissen, von jemandem einfühlend gesehen zu werden. Etwas in mir erfährt eine plastische Wirklichkeit, das heißt für mich ein bewusstes, spürbares, greifbares Erleben, dem ich mich nähere.

Contact Improvisation entstand ebenfalls in den 60er Jahren aus der Beschäftigung des Tänzers Steve Paxton mit den Banalitäten der alltäglichen Bewegungen „Wo kommen unsere Bewegungen eigentlich her?“ Auch seine Körper- und Tanzauffassung geht von einer sozial-interaktiven Komponente aus, dass der Mensch als Schöpfer und Produkt seiner Umwelt im ständigen Dialog zu sich und den anderen steht. Dabei ist all sein Tun und Bewegen selbstbestimmt und gleichberechtigt. Für Paxton entstehen kleinste Bewegungen schon im Stillstehen als eine Art Reflex / Antwort auf Impulse von inneren Bildern / Momenten. Mit diesen Reflexen auch im direkten körperlichen Kontakt experimentierte Paxton in Workshops und Performances. Die Contact Improvisation entwickelte sich daraus mit den Prinzipien von gegenseitigen Körperimpulsen des Fließens, des Rollens, der Schwerkraft, des Schwungs, der Balance, in hautnahem und ganzkörperlichem Kontakt. Dieses direkte Berühren / Spielen / Erforschen in selbstverständlicher, gegenseitiger Beziehung, die für die eigene Beweglichkeit ausschlaggebend ist, stellt für ihn auch ein Übungsfeld für ein gesellschaftliches, gleichberechtigtes und offenes Miteinanders dar. Es entstehen gemeinsame Räume des gegenseitigen Berührens, der Nähe, des Anvertrauens, die weltweit eine stärkende und heilende Kraft im menschlichen Miteinander anstoßen. Wir können dabei das so natürliche Bedürfniss nähren, von der Welt berührt zu werden und selbst alles berühren zu können.

Bei dieser BERÜHRUNG empfinde ich das plastische Gestalt-Werden wieder, dass etwas greifbar wird in / mit den Händen, um als Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit in mir eine Form zu bekommen.

Ermutigt und auch ein bisschen erschrocken erkenne ich dabei, dass all mein Tun als „Bildhauer“ mit all den Materialien, mit den Steinen, dem Holz, den Bildern, den Büchern … auch immer durch die materielle Berührung mein Bedürfnis nährte und nährt und einen „sehnsüchtigen“ Zugang zu anderen und zu mir gestaltet. Ermutigung erlebe ich dabei in der wunderbaren Vielfalt, mit der ich diesen Berührungen des Inneren über die Materialien eine anschauliche und greifbare Gestalt geben kann – und Entbehrung erlebe ich dabei, dass darin auch immer eine Art Ersatz lag und liegt, für die direkte, körperliche Berührung mit anderen.

Formbare Materialität und berührbare Körperlichkeit vereint, langsam wachsend in meinen künstlerischen und persönlichen Begegnungen, zur Verfügung zu haben, gibt mir eine vertrauensvolle Zuversicht, dass menschliches Zusammenleben eine permanent veränderbare Form hat, die sich mit gegenseitiger Achtsamkeit unserer Verletzlichkeit und Kreativität auf einem Weg des Friedens gestalten und wandeln kann.

Mass & Zahl

30. Spielraum für kreatialogische Entdeckungen 17. Februar 2018 mit Nicolaus Werner

Der Mensch ist das Maß aller Dinge – so zitiert Platon ältere Philosophen und wir machten uns auf die Suche nach der Harmonie als Ordnungsprinzip natürlichen Zusammenspiels, nach den Zufälligkeiten oder Gesetzmäßigkeiten von Unterarmlängen, Handbreiten, Daumenstärken, von Kopfumfängen, Schulterweiten, Hüftabmessungen, Kniestellungen, Fußabständen, von Schritten, Rufen: 4 Schritte – 90 Grad – minus 1 Schritt – kleiner linker Zeh ein Schritt … ist das harmonisch  … das könnte harmonisch sein … das könnte harmonisch werden. Armwinkel in den Raum richten und als  Kreuz stehen, sowas wie Zahlen-Rechenzeichen notieren und kleben. Der Körperumriss könnte ein harmonischer Schatten sein, würde das Papier nicht so schnell reißen, und trotzdem wird er mitgenommen. Der Körperumriss könnte auch ein stabiles Gerüst sein, hätte es einen Sockel – also fällt es ab und zu um. Fußumrisse bilden fast eine Tanzanleitung für Dehnübungen mit Gymnastikbändern – eine Zahlenspirale von 1 – 81 klackert an der Wand und in die Handflächen-Zahlenschläge auf die Trommel. Nagelschläge in eigener Harmonie mit dem in die Tiefe reichenden Stahlstift erschaffen ein Werk des Zusammenhalts und Stapelwerke sowie auch Zeichenwerke im einfachen versetzten Übereinander erschaffen einen grafischen Raum, in dem sich der goldene Schnitt aus den spielerischen Entdeckungen summiert. Und gut zu wissen, dass es das pythagoreische Komma gibt und der reine Klang eigentlich nicht so ordentlich daher kommt, wie die Notierungen es sich wünschen, und der Urmeter auch ein lebendiges Wesen ist, das immer kleiner wird.

In den Spielräumen für kreatialogisches Entdecken werden Materialien zur Verfügung gestellt, mit denen Gestaltungs- und  Kommunikationsvorgänge ohne Absprachen /Vorgaben entstehen. Ein Verweilen im spielerischen Entdecken, aus dem das jeweilige Erlebte als Impulse wahrgenommen werden kann und eine direkte Form/Bewegung bekom   mt. Ein Versuch zu einem gestalterischen Dialog mit einem Zusammenspiel, formenden Prozessen und handelnder Wahrnehmung.

DAS ANKOMMEN DER SEHNSUCHT – DIE BERÜHRUNG DER SEHNSUCHT

Aschaffenburg 24. – 26. März 2017 / Hann.-Münden 29. Sept. – 8. Okt. 2017

Eine bespielte und bespielbare Installation der Begegnungen, der Wandlungen mit zwei prozesshaften Arbeiten von mir:

  1. Die Skulptur bin ich mit euch – mit einer gesellschaftlichen, politischen Auseinandersetzung
  2. HAUT-TUCH – ein Spiegel meiner Sehnsucht nach GANZ SEIN

SEHNSUCHT beinhaltet für mich ein Erleben auf unterschiedlichen Ebenen, das nach seiner Erfüllung immer wieder neu zu sehnen und suchen beginnt. Meine bespielbare Installation öffnet dieses Wechselspiel von innerem Sehnen und äußerem Gestaltwerden. Die Installation ist ein ERFAHR-RAUM auch für Betrachtende, in dem eigene Sehnsüchte mit Worten, Zeichnungen, kleinen Objekten, Bewegungen berührt und geformt werden können.

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Sehnsucht meint in meinen Räumen das Bedürfnis nach Begegnung sowie nach der Möglichkeit, etwas in die Gemeinschaft zu geben, etwas zu teilen, sich mitzuteilen, das Bedürfnis nach einer spielerischen Neugier, das Bedürfnis des Begegnens mit Achtsamkeit, mit Menschlichkeit, das Bedürfnis nach einem friedlichem Miteinander.

Womit formen wir unser eigenes Wesen? Wie schaffen unsere Erfahrungen eine Verbindung zu der ureigenen Menschlichkeit und Spiritualität in uns selbst, zu einem möglichen Wandel in uns, zu einer permanenten persönlichen Entwicklung?

Über mehrere Tage fanden diese bespielbaren Installationen statt, begleitet von dem Gedicht LIEDER VOM WANDEL von Romaine Moreton:

… Wir wollen uns verändern 

Unsere Art zu denken ändern

Wenn sie der Welt nicht dient

Lasst uns die Art zu reden ändern     

Wenn es Worte des Kriegs sind                     

Lasst uns sorgsam auf den Herzschlag hören          

Der in Bäumen und Nektar zu spüren ist

Und der größere Körper das Land

Gebt mir die Hand

Lasst uns versprechen

Dass wir uns wandeln.

Die erste Installation war in der ehemaligen Wailandt’schen Druckerei in Aschaffenburg mit dem persönlichen Schritt mich zu zeigen und meine persönlichen Arbeiten zu öffnen. Das auch in Bezug zu einigen, von den ArbeiterInnen zurück gelassenen persönlichen Gegenständen, die eine Sehnsucht nach Solidarität und Identifikation darstellen.

Das zweite Mal in der Mündener Blasiuskirche mit dem dortigen Wandbild der ANNA SELBDRITT – mit Impulsen des Erntedank-Festes, der Gabe, der Geburt, des Opfergedankens, des Schutzes sowie den christlich bereinigten Themen der Lust / Schuld / Unschuld und Taufe / Reinigung.

Als ERFAHRUNGEN sind verschiedene Ebenen in mir, im Raum, zwischen uns spürbar:

Persönlich: in Form meiner bearbeiteten, persönlichen Objekte und meinem Schritt, damit in Begegnung zu gehen.

Künstlerisch: in der Kommunikation über künstlerische Ausdrucksmittel und der Übertragung künstlerischen Handelns in bewusste Gestaltung von Begegnung.

Gesellschaftlich: in Form der Auseinandersetzung mit Wirksamkeiten von Kreativität, Freiheit und Glaubensregeln.

Naturverbunden / spirituell: in Form des „rituellen“ Charakters mit Verwendung von natürlichen, symbolischen sowie (individuell) bedeutenden Elementen.

Ich fühle mich bestärkt in meinem Annehmen einer natürlichen, ehrwürdigen Wesenheit in mir / in uns selbst. Und die Gestaltung einer Verbindung zu diesem Eigenen und Verbundenem ist der Weg meiner Kunst.

GIENNALE – Stadt als SPIEL-RAUM

| Von | Für | In | Durch | Bei | Auf | Mit | Gießen

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Wie spielen Akteure und Institutionen in einer Stadt zusammen, wie schaffen sie gemeinsam und unterschiedlich eine kulturelle Neugier und Vielfalt, welche Räume und Visionen sind nötig und wie die Schritte darauf zu machbar? Während einem 9 tägigem Kunstfestival mit umfangreichem Programm wurde mit diesen Aspekten gespielt: erlebbar, anschaulich, nachdenklich, utopisch…. in einer Kooperation zahlreicher Kulturakteure der städtischen Kultur … für eine lebenswertere Stadtkultur und eine offene Gesellschaft – https://www.giennale.de/

Wir näherten uns dabei mit SPIEL <_> FELDER einem Persönlichen Raum im gesellschaftlichen Raum. Wie kann ich mich als Person zeigen, einbringen, bewahren _ welche Rolle habe ich innerhalb bestehender kultureller Normen … Schritte der ÜBERWINDUNG in den Öffentlichen Raum … Schritte auf EINLADUNGEN in den Öffentlichen Raum … Welche VERANTWORTUNG überträgt der Öffentliche Raum … Welche BEDÜRFNISSE bestimmen die TEILHABE im Öffentlichen Raum … Was BEWEGT Menschen im Öffentlichen Raum …

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ES DARF SEIN – ICH DARF HIER SEIN

In einem Raum im Jokus überließen wir uns dem freien Fluss des Entdeckens und miteinander Gestaltens – an einigen Plätzen im Stadtraum probierten wir aus, wie wir uns öffentliche Räume aneignen können – mit erfundenen Spielzeugen, eigenen Installationen, mit Gaben an die Öffentlichkeit. SPIEL <_> FELDER ist die Einladung zu einem SPIEL-RAUM, in dem das Gemeinschaftliche als Öffentlichkeit erfahren werden kann, gleichzeitig als bewusstseinsbildendes Übungsfeld für persönliches und öffentliches Handeln.

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In der Zärtlichkeit der Hände

Wiesbaden tanzt 15./16. Sept.

ist das wirklich so:

in der hand liegt mehr zärtlichkeit als im herzen und im herzen mehr als im äußeren verhalten

dann sammelt der blick die form, _ entziffert sie und sieht sie mit dem abdruck

vom leben und tod einer bierdose hängen  leben und tod der kunst ab

BERÜHREN und ein Versuch zu erfassen – Sprache von Henri Michaux, Giuseppe Penone, Jannis Kounellis – ein ausgestopftes Tier, eine Bierdose, ein Holzstamm – die Hände, die Zwischenräume, die Abdrücke. Der Raum lädt ein, sich den Formen und Gegenständen mit der zarten, spielerischen, ergreifenden Beweglichkeit der Hände zu nähern, Berührungen auszuprobieren, die sich im Körper weiter ausbreiten oder zusammen mit anderen Händen tanzen.

„Mache die Gesten deiner Hand ausfindig, solche zu denen sie Lust hat und die geeignet sein werden, dich umzugestalten.“ ( H. Michaux)

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eintauchen in ein unfassbares spüren _ was befähigt mein handeln _  hat jede geste eine erinnerung etwas innen anwesendes _ vibrieren die trommel schlagen das xylophon papiere halten lesen _ die haut der hand spüren herzschlag spüren in hand _ ich spreche die texte werde vertraut mit den worten _ ich möchte erfassen mit den gesten die stimme hervor bringen _ das fell des iltis spüren _ er hält seine krallen ein werkzeug eine verteidigung _ fähig zur zärtlichkeit _ streicheln ein streichen des felles _ halten den handlichen ausgestopften tierkörper _ ertasten wuscheln in den borstigen haaren _ nachahmen der krallen schlüpfen in die handpuppe des fuchses streichen des künstlichen felles _ die unendlichkeit mit den händen zu schauen.

„eine form einen gegenstand berühren, begreifen _ heißt – sie oder ihn mit abdrücken bedecken.“ (G. Penone)

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ich entdecke die schraube zu drehen auf die trommel zu schlagen mit dem holzstamm zu wippen _ den spiegel mit den abbildungen tizians _ das tuch _ meine ruhenden hände _ die zeichnungen des stammes in meinen händen die jahresringe die löcher durchbrüche _ in meinen augen sichtbar durch mein wissen berührt zu haben.

„ diese perverse, heiß geliebte bierdose genügt mir also nicht _ was füge ich dieser bierdose also hinzu und was nehme ich ihr?“ (J. Kounellis)

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halten streichen umfahren der dose _ die kulturgeschichte in händen spüren linien nachfahren dem spiegelbild nachfahren _ die dose liegt schön in der hand _ sie gelassen umfassen ohne zu umschließen _ menschliches maß der hand _ meistens kalt wenn sie zum mund geführt wird _ die venus tizians im schlaf den arm als kissen die hand im schoß  bedeckend _ der bacchus tizians im sprung auf die verlassene ariadne die hände rückwärts weisend zum berauschenden fest.

bewegung mit dem fügsamen ton _ bewegung mit dem zeichnenden pinsel _ bewegung worte zu schreiben _ die liebe zum leben wächst _ uns selbst spüren von innen berühren _ wie die hand die worte aufnimmt sich konstelliert zeichen ertastet erfindet _ worte übersetzt in ihre berührbare sprache _  wie sie klänge erzeugt im berühren streichen klopfen drücken schnipsen trommeln schütteln kratzen _ im halten von hohlen gegenständen in die der atem strömt _ die hand alleine unerschöpflich uns zu erweitern in neuen möglichkeiten.

Creation Song – Yama Rahimi

indexBurqa 2014

yama-rahimi-yell-2015-gallery_middleYell (Aufschrei) 2015

Unterwegs zwischen Welten und Zeiten, zwischen Lebenswelten und Lebenszeiten, zwischen weiblichen und männlichen Kräften. In zwei Fotos des afghanischen Künstlers Yama Rahimi werde ich mitgenommen zu einer Dimension der menschlichen Lebensreise zwischen Unendlichkeit, Flucht, Ankommen, zwischen Schönheit, Zartheit, Unterdrückung, Starre, Vergänglichkeit. Rahimi schafft eine Annäherung von gegensätzlichen Strukturen und versucht die verleugneten, weiblichen, schöpferischen Kräfte in das männliche Bewusstsein zu integrieren. Frauen sind nicht nur physisch nützlich anwesend, sondern mit ihrem ganzen Wesen eine bewegende Schönheit der Gesellschaft.

Ein Boot mit 14 Männern ruht oder gleitet langsam auf einem Gebirgssee, umgeben von der Weite der Berge, gerahmt ist der Blick darauf von einer Felsöffnung, aus der wir schauen – wie aus dem Inneren eines verhüllten Körpers. Ein zeitloses Bild, für mich mit der Frage oder Anmutung: gibt es ein Annähern, ein Erreichen, ein Ankommen?

Yama Rahimi thematisiert die Dominanz patriarchalischer Strukturen in Afghanistan und die damit verbundenen Aspekte der Unterdrückung der Frau. Die fest in den gesellschaftlichen Strukturen sitzende Ungleichheit, mit der immer wieder, oft gewalttätig, überschrittenen Gleichberechtigung von Frau und Mann, zeigen seine Arbeiten mit einer mahnenden Ruhe, die diese scheinbar starren Gegebenheiten aufzulösen beginnt.

Zu seinem Film Creation Song „Die Frau als Schöpferin spielt in der Person einer Tänzerin ebenso eine Rolle, wie als Opfer in Repräsentation der bunten Tücher, mit denen Yama Rahimi die, zu Anfang und Ende des Videos auftauchenden Grabsteine auf einem Friedhof, bedeckt hat. Die Gleichzeitigkeit von Schöpfung und Vergänglichkeit, Bewegung und Stillstand, sowie von Weiblichkeit und Tod, verweist auf die gespaltene Situation der Frau in Afghanistan – verhüllt und unterdrückt von Außen, aber mit dem inneren stetigen Wunsch, auszubrechen und sich frei bewegen zu können.“

http://www.kunstverein-wiesbaden.de/ausstellungen/ausstellungen-detail/nkvextrayama-rahimi-san-5136.html

URSPRUNG und BEGEGNUNG in Steinen

In der LEERE freilegen _ In der FORM berühren

Workshop mit Erkundungen / Installationen mit Matthias Heidel Juni und Sept. 2017

Vor 32 Millionen Jahren erstarrte am Arensberg in der Eifel die Basaltlava eines Vulkanausbruchs und wurde später von Menschen abgebaut. Auch dieses Jahr erkundeten wird in dem ehemaligen Steinbruch einige  Ursprünge der Steinwerdung und eigener innerer Quellen. Wir erlebten Impulse zu unserer Verletzlichkeit und zu unseren Stärken. Wir brachten uns in Beziehung  mit den Ursprüngen über Zeichnen, Schreiben, Bewegen oder körperlichen Kontakt. Spuren und Strukturen der geologischen Entstehungsprozesse des Fließens und Erstarrens öffneten Zugänge zu eigenen Formen. Auf dem Bildhauergelände der Künstlersiedlung Weißenseifen gaben wir diesen erfahrenen Impulsen Gestalt mit der bildhauerischen Bearbeitung von Stein und hinterließen als Dank zum Abschluss vergängliche Spuren in dem Steinbruch.

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STEINE: beARBEITen UND beSPIELen

Mit Dirk Marwedel (12. Juli 2015)
Wie entsteht eine Skulptur in hörbarer und handwerklicher Art?

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Schieferplatten, Sandsteinquader, Kieselsteine waren für uns die Instrumente, mit denen wir diese Frage im Rahmen des Klang-Kunst-Festivals AUFS GANZE GEHEN in der Walkmühle Wiesbaden bespielten und bearbeiteten. Wir hauten 2 runde Zylinder aus den Sandsteinen, einen runden Durchbruch in eine Schieferplatte und bauten aus diesen Elemente verschiedene Skulpturen. Es klangen rhythmische Schläge und Schläge nebeneinander – kratzen, schaben, kullern von Werkzeugen und Kieseln – schieben, walzen, fallen von Steinen – fließen von Wasser. Eine sehr wechselhafte Klang-Skulptur gestaltete sich über 8 Stunden – ein Changieren und Balancieren zwischen Bildhauerei, Klangkunst und Performance.

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