Begegnung durch Kunst

spielerisch überrascht werden – spielerisch in Berührung kommen

Kunst erlebe ich als Übungs- und Gestaltungsfeld für persönliche / gemeinschaftliche Prozesse und Entwicklungen. Meine eigenen Erfahrungen aus künstlerischen Projekten sind für mich die Grundlage meiner Seminare.

Zu meinen Angeboten der SPIEL-RÄUME finden Sie / findest du hier Termine  und Einblicke:

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Mir stellt sich die Frage: wenn ich im Sinne einer SOZIALEN PLASTIK an gemeinschaftlichen / gesellschaftlichen Prozessen arbeiten möchte, welche Voraussetzungen brauche ich dafür? Ich erkenne, dass ich dabei in gleichem Maße an meiner eigenen authentischen ICH-GESTALT arbeiten muss, die ein Teil einer SOZIALEN PLASTIK werden kann.

LifeArt – Soziale Plastik – Werksatz – Permanente Kreation

Erweiterte Kunstpositionen und Kunstansätze der Gegenwart sowie der nahen Vergangenheit sind für mich wichtige Inspirationsquellen für die Auseinandersetzung mit einem Kunstverständnis, das Wirkung, soziale oder persönliche Prozesse, ästhetische oder persönliche Erfahrungsmomente als KUNST-WERK versteht.
Ich bin durch die Betrachtung und die Beschäftigung mit Menschen, die in dieser Richtung arbeiten, auf eine intuitive Weise angesprochen, versuche teilweise in eigenen künstlerischen Arbeiten zu erleben und zu verstehen, wie sie mich ansprechen und wie das dann in mein gesamtes Handeln einfließt. Diese Erlebens- und Verstehungsprozesse möchte ich öffnen für gemeinsames Entdecken und damit Erweiterungen und Verbindungen von Kunst und Leben einen Raum geben. Auf dieser Seite versuche ich einige meiner aktuellen Anregungen und Versuche zu formulieren.

Die Diskussionen zur DOCUMENTA 14 über Kunst-Politik-Ökologie-Wirtschaft-Kolonisation sind für mich ermutigende Impulse, dass all diese Themen als lebensnotwendige Aspekte unseres Zusammenlebens mehr kreativen, gesellschaftlichen, offenen und menschlichen Gestaltungsraum bekommen. Die vielen Ansätze geben mir Momente der Zuversicht, dass sich viele VordenkerInnen schon lange und inzwischen mehr und mehr Menschen auf verschiedenste Wege begeben, um grundlegende Schritte zur Bewahrung und Erneuerung von Traditionen und Lebensgrundlagen zu finden. Insgesamt erlebe ich eine Offenheit, wie Kunst in verschiedenste Lebensbereiche und in den Stadtraum wirkt, dabei viele Einrichtungen integriert und „Kunst“ nicht als Einzelwerk erscheint, sondern als Kontinuität von „Geschichte-n“, von Ideen, von Widerständen, von Aufbrüchen. Darin zeigt sich für mich das grundlegende menschliche Ringen um Strukturen, Formen zur Erkenntnis und damit zu Instrumenten, Werkzeugen, Methoden, mit denen unsere Lebensmöglichkeiten in Einklang mit der Natur erhalten und gestaltet werden können. Es ist schön, wie sich der Begriff von Kunst dabei weiter und weiter erweitert.

In den Projekten der DOCUMENTA wird das für mich besonders in den Offene-Form-GesellschaftenParlament der Körper deutlich, die sich auf eine 1787 gegründete Gesellschaft zur Abschaffung der Sklaverei beziehen, als Ausgangspunkt für die heutige gemeinsame Suche nach gleichberechtigter Kooperation ohne wirtschaftliche, beherrschende, westliche Dominanz. „Inspiriert von einer Methode der „Offenen Form“, wie sie der Künstler und Architekt Oskar Hansen entworfen hat, und zugleich angeregt von potenziellen spontanen Treffen, die sowohl gesellschaftlichen als auch politischen Wandel in Gang bringen, funktionieren die Offene-Form-Gesellschaften wie selbstlernende, selbstorganisierende Mikroöffentlichkeiten, die ihre eigenen Aktivitäten entwickeln.“ Dazu haben sich Initiativgruppen / Gesellschaften zu unterschiedlichen Bereichen gebildet, die sich austauschen, Veranstaltungen organisieren und alternative Perspektiven entwickeln – also Ansätze öffentlich machen, die in vielen libertären Modellen schon lange praktiziert werden.

 

PELAGIE GBAGUIDI hat mich sehr berührt und mir tiefer bestätigt, wie sehr die offene Thematisierung von Gewalt und Ungerechtigkeit uns  von einer Sprachlosigkeit und Lähmung befreit. Ich erkenne das zunehmend als eine Grundlage für die Bewältigung unserer menschlichen Gewaltbereitschaft und für ein Lernen von gegenseitigem Annehmen und Gewaltfreiheit – und das ist auch für Kinder stärkend.

Wie kann Bildung dazu beitragen,

das Bewusstsein zu reinigen:

dass es keine Unterschiede gibt,

sondern dass die Geburt eines Lebens

ein Wert an sich ist.

Dass jedes menschliche Wesen ein Recht

auf eine Wiege hat.

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Ihre Installation The Missing Link. Dicolonisation Education by Mrs Smiling Stone, bei der auch Kinder mitwirkten, lässt mich die Chance für einen befreienden Umgang mit Sklaverei und der heute noch weiterlebenden Kolonisation spüren. Mit Fotos von Sklavenaufständen, bemalten Papierstreifen, Spielzeugen und Schulbänken, einem Film mit einer Art körperlicher Kristallisation und Befreiung, mit menschenverachtenden Gesetzestexten,  entsteht ein Raum und ein Weg durch die Geschichte und Überwindung der Sklaverei. Wenn Kinder mit dem Aussprechen und Bearbeiten dieser oft verschwiegenen, hingenommenen Zusammenhänge groß werden können, sich bilden können, dann kann sich auch eine gleichberechtigte, solidarische Haltung bilden.

 

CIUDAD ABIERTA: „Wir heben Botschaften und Ideen über uns nur, um sie zugunsten neuer zu reißen: das Neue ist alt und das Alte ist wieder neu. In Abwesenheit einer klaren Botschaft wird Verwirrung die einzige Botschaft. In der Abwesenheit einer klaren Quelle werden wir die Quelle.“

Die Ciudad Abierta (Offene Stadt) ist Kommune, pädagogisches Experiment und praxisnahes Architekturlabor. Sie wurde 1971 von einer Gruppe Künstler_innen und Dichter_innen in Chile gegründet. Das Kollektiv als lebender Organismus und Experimentierplattform demonstriert die wiederkehrende Relevanz seiner improvisierten, umweltverträglichen Form des Bauens.“

Amereida Phalène Latin South América (2017) ist ein von BürgerInnen, Gästen, StudentInnen, ProfessoerInnen gemeinsam entwickelter, begehbarer Pavillon der Gastfreundschaft. Ein Holzgerüst, auf dem wir gehen, balancieren können, Begriffe und Texte sind auf den Hölzern geschrieben, Tücher überspannen einen Teil der Konstruktion. Wir gehen aufeinander zu, aneinander vorbei, näher und entfernter, wir spielen und üben nicht herunter zu fallen. Wir nehmen Begriffe in diesem Spiel auf und sie bewegen sich zwischen uns. Die Wege sind offen und müssen sich aneinander orientieren .

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DAVID LAMELAS – Time as Activity. Das unterwegs sein ist für mich immer wieder ein Zustand der Begegnung mit neuen Orten, Menschen, Situationen, mit mir selbst im Inneren und im Äußeren. Die ZEIT-Reise von David Lamelas hat mich darauf mitgenommen – auch zu der Frage, was bleibt an Wirklichkeit von diesem unterwegs sein, was bildet sich in mir, was kann ich bewahren und was bleibt immer weiter auf der Reise in permanenter Veränderung? Man kann die Reise von David Lamelas live/aufgezeichnet in Filmen begleiten und man kann Momente in den Stimmungen von bemalten Zeltbahnen erspüren. Lamelas bemalte sie an einigen Orten auf der Reise von Athen nach Kassel. Das Gestell des Zeltes wurde aufgebaut und mit der Plane umgeben. Drinnen entstanden die Bilder zu Landschaften oder Plätzen der Städte. Die Arbeiten beschäftigen sich mit Fragen nach einem Umgang mit Zeit und Raum, mit den Grenzen der Zeitlichkeit von Kunst und ihren Möglichkeiten zur Erzeugung alternativer Kommunikations- und Erkenntnisprozesse. Das ist schwer in einem so umfangreichen Ausstellungskontext zu vermitteln, aber mir wurde deutlich wie sich diese Fragen in unsere alltägliche Erfahrungen übertragen lassen – und das erzeugte eine wohltuende Einsicht unser gelebtes unterwegs sein als eine beständige Reise, einen permanenten Schaffensprozess zu empfinden.

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… in einem Gespräch mit Alexander Alberro: “Ich liebe das Kino seit meiner Kindheit, und Filme sind ja eindeutig eine Form der Fiktion. Aber ich mag auch Dokumentationen, die ja nicht fiktiv sind, zumindest nicht im herkömmlichen Sinn.“ … „Meine Kunst hatte ursprünglich nichts mit Fiktion am Hut. In mancherlei Hinsicht war sie sogar das genaue Gegenteil.“ „Das Gegenteil von Fiktion?“, bohrte ich nach. „Was soll das sein?“ „Realität“, antwortete David mit einer Überzeugung, die mich verblüffte. „Das reale Leben.“ „Also …“, stammelte ich, „das reale Leben ist eine Idee, mit der du dich anfreunden kannst.“ Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen. „Ja, hundertprozentig. Du nicht? Was sonst gibt es? Das reale Leben. Wir leben darin. Mit realem Leben meine ich selbstverständlich faktisches Leben, Fakten, in einem pragmatischen Sinn.“ … „Man könnte argumentieren“, warf ich ein, „dass es für Borges die Realität nicht gibt, nur Fiktionen von Fiktionen.“ „Ja, dem würde ich zustimmen“, antwortete David. …

 

Biinjiya’iing OnjiVon innen. Ein Zelt aus Marmor von  REBECCA BELMORE, das in Athen und Kassel über den Städten thront. Ein Symbol des Ankommens, des dauerhaften Gastgebens und eines notdürftigen Obdachs, das für viele fliehende Menschen ein permanenter Zustand ist. Für Rebecca Belmore, die den Anliegen unterdrückter Menschen eine Stimme gibt, ist das Zelt auch Zeichen der nomadischen, indigenen Kulturen, dem natürlichen Lebensrhythmus von Jahreszeiten und Nahrungssuche folgend. Es wirkt als respektvoller, würdevoller Schutz mit Aussicht auf ein dauerndes Bleiben. Eine Notunterkunft, in die viele BesucherInnen hineinschlüpften, die hoffentlich auch die Notwendigkeit von dauernden Bleiberechten für Geflüchtete spürten.

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Zusammen mit der Arbeit Raise the anchor, unfurl the sails, set course to the centre of an ever setting sun! von NATHAN POHIO, die eine vergrößerte Fotografie von 1905 mit einer Begrüßungszeremonie der neuseeländischen Ngāi Tahu für einen britischen Generalgouverneur und seine Frau zeigen, wurde eine so oft erfahrene Gastfreundschaft der weißen Ankömmlinge in anderen Ländern, als nie oder selten erwiderte Haltung offenbar, die zudem oft grausam ausgenutzt wurde. Auf dem Bild sind Stammesführer der Ngāi Tahu hoch zu Ross und in voller Festkleidung zu sehen, während die Repräsentanten der britischen Krone in ihrem Automobil sitzen. Die Fotografie stammt aus einer Zeit, als die Ngāi Tūāhuriri in einem Rechtsstreit mit dem britischen Empire lagen. Trotzdem empfangen sie die Fremden, und führen sie durch die Zeremonie des pōwhiri in das Land ein, die einen Weg zu gegenseitigem Respekt eröffnen soll. Ein mahnendes Zeichen an die Gabe, den Stolz und die Würde, die im Teilen liegt.

 

Die Zeichnungen von AGNES DENES und eine gemeinsam bepflanzte Pyramide im Nordstadtpark bilden ein sehr umfassendes Netz der Vielfalt, der Zusammenhänge sowie der Prinzipien des Wachsens ab. Zum einen als natürlicher Entstehungsprozess von Pflanzen und Menschen und anderseits als Herausbildung von menschlicher Erkenntnis, Wissen, Bewusstsein. Agnes Denes beschäftigt sich mit Wissenschaft, Philosophie und Menschsein – Kunst ist für sie Teil „einer dynamischen, evolutionären Welt, in der Gegenstände Prozesse und Formen dynamische Muster sind, in der Maß und Konzepte relativ sind und die Realität sich endlos aneinanderreiht“. Die Form des Dreiecks und der Pyramide, die Agnes Denes in vielfältigen Formen verwendet, beinhaltet diese Prinzipien dynamischer Strukturbildung und bietet Zugängen, sie zu verstehen, denn für Denes ist die Natur häufig ein Platzhalter für die Menschheit.

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1982 verwandelte Agnes Denes mit anderen UnterstützerInnen eine Fläche einer New Yorker Mülldeponie in ein Weizenfeld. Ein Zeichen von gegensätzlichen Wachstum im Angesicht des damaligen World Trade Centers als Symbol der Auswirkungen einer hemmungslosen Globalisierung.

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Im Kasseler Nordstadtpark entstand mit Hilfe von BürgerInnen eine große wachsende Pyramide The Living Pyramid – eine soziale Struktur, die Vorstellungen von Evolution und Regeneration vermittelt und Menschen beteiligt, die sich um die Bepflanzung und laufende Pflege kümmern

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Ich nehme ein versöhntes und bestärktes Gefühl aus diesen Erlebnissen mit, dass der Reichtum und die Vielfalt des natürlichen und menschlichen Gestaltens in jeder/jedem von uns Menschen und im Großen der Erde und des Universums sich seine Formen und Wege sucht, und dass wir im bewussten Umgang einen bewahrenden Teil dazu beitragen können.

GIENNALE – Stadt als SPIEL-RAUM

| Von | Für | In | Durch | Bei | Auf | Mit | Gießen

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Wie spielen Akteure und Institutionen in einer Stadt zusammen, wie schaffen sie gemeinsam und unterschiedlich eine kulturelle Neugier und Vielfalt, welche Räume und Visionen sind nötig und wie die Schritte darauf zu machbar? Während einem 9 tägigem Kunstfestival mit umfangreichem Programm wurde mit diesen Aspekten gespielt: erlebbar, anschaulich, nachdenklich, utopisch…. in einer Kooperation zahlreicher Kulturakteure der städtischen Kultur … für eine lebenswertere Stadtkultur und eine offene Gesellschaft – https://www.giennale.de/

Wir näherten uns dabei mit SPIEL <_> FELDER einem Persönlichen Raum im gesellschaftlichen Raum. Wie kann ich mich als Person zeigen, einbringen, bewahren _ welche Rolle habe ich innerhalb bestehender kultureller Normen … Schritte der ÜBERWINDUNG in den Öffentlichen Raum … Schritte auf EINLADUNGEN in den Öffentlichen Raum … Welche VERANTWORTUNG überträgt der Öffentliche Raum … Welche BEDÜRFNISSE bestimmen die TEILHABE im Öffentlichen Raum … Was BEWEGT Menschen im Öffentlichen Raum …

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ES DARF SEIN – ICH DARF HIER SEIN

In einem Raum im Jokus überließen wir uns dem freien Fluss des Entdeckens und miteinander Gestaltens – an einigen Plätzen im Stadtraum probierten wir aus, wie wir uns öffentliche Räume aneignen können – mit erfundenen Spielzeugen, eigenen Installationen, mit Gaben an die Öffentlichkeit. SPIEL <_> FELDER ist die Einladung zu einem SPIEL-RAUM, in dem das Gemeinschaftliche als Öffentlichkeit erfahren werden kann, gleichzeitig als bewusstseinsbildendes Übungsfeld für persönliches und öffentliches Handeln.

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In der Zärtlichkeit der Hände

Wiesbaden tanzt 15./16. Sept.

ist das wirklich so:

in der hand liegt mehr zärtlichkeit als im herzen und im herzen mehr als im äußeren verhalten

dann sammelt der blick die form, _ entziffert sie und sieht sie mit dem abdruck

vom leben und tod einer bierdose hängen  leben und tod der kunst ab

BERÜHREN und ein Versuch zu erfassen – Sprache von Henri Michaux, Giuseppe Penone, Jannis Kounellis – ein ausgestopftes Tier, eine Bierdose, ein Holzstamm – die Hände, die Zwischenräume, die Abdrücke. Der Raum lädt ein, sich den Formen und Gegenständen mit der zarten, spielerischen, ergreifenden Beweglichkeit der Hände zu nähern, Berührungen auszuprobieren, die sich im Körper weiter ausbreiten oder zusammen mit anderen Händen tanzen.

„Mache die Gesten deiner Hand ausfindig, solche zu denen sie Lust hat und die geeignet sein werden, dich umzugestalten.“ ( H. Michaux)

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eintauchen in ein unfassbares spüren _ was befähigt mein handeln _  hat jede geste eine erinnerung etwas innen anwesendes _ vibrieren die trommel schlagen das xylophon papiere halten lesen _ die haut der hand spüren herzschlag spüren in hand _ ich spreche die texte werde vertraut mit den worten _ ich möchte erfassen mit den gesten die stimme hervor bringen _ das fell des iltis spüren _ er hält seine krallen ein werkzeug eine verteidigung _ fähig zur zärtlichkeit _ streicheln ein streichen des felles _ halten den handlichen ausgestopften tierkörper _ ertasten wuscheln in den borstigen haaren _ nachahmen der krallen schlüpfen in die handpuppe des fuchses streichen des künstlichen felles _ die unendlichkeit mit den händen zu schauen.

„eine form einen gegenstand berühren, begreifen _ heißt – sie oder ihn mit abdrücken bedecken.“ (G. Penone)

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ich entdecke die schraube zu drehen auf die trommel zu schlagen mit dem holzstamm zu wippen _ den spiegel mit den abbildungen tizians _ das tuch _ meine ruhenden hände _ die zeichnungen des stammes in meinen händen die jahresringe die löcher durchbrüche _ in meinen augen sichtbar durch mein wissen berührt zu haben.

„ diese perverse, heiß geliebte bierdose genügt mir also nicht _ was füge ich dieser bierdose also hinzu und was nehme ich ihr?“ (J. Kounellis)

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halten streichen umfahren der dose _ die kulturgeschichte in händen spüren linien nachfahren dem spiegelbild nachfahren _ die dose liegt schön in der hand _ sie gelassen umfassen ohne zu umschließen _ menschliches maß der hand _ meistens kalt wenn sie zum mund geführt wird _ die venus tizians im schlaf den arm als kissen die hand im schoß  bedeckend _ der bacchus tizians im sprung auf die verlassene ariadne die hände rückwärts weisend zum berauschenden fest.

bewegung mit dem fügsamen ton _ bewegung mit dem zeichnenden pinsel _ bewegung worte zu schreiben _ die liebe zum leben wächst _ uns selbst spüren von innen berühren _ wie die hand die worte aufnimmt sich konstelliert zeichen ertastet erfindet _ worte übersetzt in ihre berührbare sprache _  wie sie klänge erzeugt im berühren streichen klopfen drücken schnipsen trommeln schütteln kratzen _ im halten von hohlen gegenständen in die der atem strömt _ die hand alleine unerschöpflich uns zu erweitern in neuen möglichkeiten.

Creation Song – Yama Rahimi

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Unterwegs zwischen Welten und Zeiten, zwischen Lebenswelten und Lebenszeiten, zwischen weiblichen und männlichen Kräften. In zwei Fotos des afghanischen Künstlers Yama Rahimi werde ich mitgenommen zu einer Dimension der menschlichen Lebensreise zwischen Unendlichkeit, Flucht, Ankommen, zwischen Schönheit, Zartheit, Unterdrückung, Starre, Vergänglichkeit. Rahimi schafft eine Annäherung von gegensätzlichen Strukturen und versucht die verleugneten, weiblichen, schöpferischen Kräfte in das männliche Bewusstsein zu integrieren. Frauen sind nicht nur physisch nützlich anwesend, sondern mit ihrem ganzen Wesen eine bewegende Schönheit der Gesellschaft.

Ein Boot mit 14 Männern ruht oder gleitet langsam auf einem Gebirgssee, umgeben von der Weite der Berge, gerahmt ist der Blick darauf von einer Felsöffnung, aus der wir schauen – wie aus dem Inneren eines verhüllten Körpers. Ein zeitloses Bild, für mich mit der Frage oder Anmutung: gibt es ein Annähern, ein Erreichen, ein Ankommen?

Yama Rahimi thematisiert die Dominanz patriarchalischer Strukturen in Afghanistan und die damit verbundenen Aspekte der Unterdrückung der Frau. Die fest in den gesellschaftlichen Strukturen sitzende Ungleichheit, mit der immer wieder, oft gewalttätig, überschrittenen Gleichberechtigung von Frau und Mann, zeigen seine Arbeiten mit einer mahnenden Ruhe, die diese scheinbar starren Gegebenheiten aufzulösen beginnt.

Zu seinem Film Creation Song „Die Frau als Schöpferin spielt in der Person einer Tänzerin ebenso eine Rolle, wie als Opfer in Repräsentation der bunten Tücher, mit denen Yama Rahimi die, zu Anfang und Ende des Videos auftauchenden Grabsteine auf einem Friedhof, bedeckt hat. Die Gleichzeitigkeit von Schöpfung und Vergänglichkeit, Bewegung und Stillstand, sowie von Weiblichkeit und Tod, verweist auf die gespaltene Situation der Frau in Afghanistan – verhüllt und unterdrückt von Außen, aber mit dem inneren stetigen Wunsch, auszubrechen und sich frei bewegen zu können.“

http://www.kunstverein-wiesbaden.de/ausstellungen/ausstellungen-detail/nkvextrayama-rahimi-san-5136.html

URSPRUNG und BEGEGNUNG in Steinen

In der LEERE freilegen _ In der FORM berühren

Workshop mit Erkundungen / Installationen mit Matthias Heidel Juni und Sept. 2017

Vor 32 Millionen Jahren erstarrte am Arensberg in der Eifel die Basaltlava eines Vulkanausbruchs und wurde später von Menschen abgebaut. Auch dieses Jahr erkundeten wird in dem ehemaligen Steinbruch einige  Ursprünge der Steinwerdung und eigener innerer Quellen. Wir erlebten Impulse zu unserer Verletzlichkeit und zu unseren Stärken. Wir brachten uns in Beziehung  mit den Ursprüngen über Zeichnen, Schreiben, Bewegen oder körperlichen Kontakt. Spuren und Strukturen der geologischen Entstehungsprozesse des Fließens und Erstarrens öffneten Zugänge zu eigenen Formen. Auf dem Bildhauergelände der Künstlersiedlung Weißenseifen gaben wir diesen erfahrenen Impulsen Gestalt mit der bildhauerischen Bearbeitung von Stein und hinterließen als Dank zum Abschluss vergängliche Spuren in dem Steinbruch.

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ZEIT z u l a s s e n

26. Spielraum für kreatialogische Entdeckungen 30. Juni 2017 mit Sabine Wannemacher

Haben wir die Zeit uns Zeit zu lassen – in einem Raum mit Sand, der unsere Spuren aufnimmt, Spuren der Zeit, verrinnende Zeit. Weidenäste in Schwingungen, Berührungen der Materialien – Rosenblätter, Flummis, Fahrradschläuche, Kreisel, Plastikfolie, Buchseiten, Instrumente, Federn, Reifen, Gummibänder, Ton.

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Der langgezogene Atem, die springende Töne eines Akkordeons, immer wieder Zeichnen im Sand mit Füßen, Händen – aufhäufen, wischen – verschnipselte Wörter mit Rosenblättern schweben zum Sand, ein lachendes Kinderspiel auffangen mit dem Schmetterlingsnetz – Hula Hoop Reifen kreisen um Körper, am Boden, verbinden, springende Gummibälle. Existentielle, weltumspannenden Fragen der Zeit – wie lange noch –  schon wieder. Die Steinchen, die wir bewegen – der Mensch, der den Berg versetzt, ist derselbe, der anfängt kleine Steine wegzutragen. Backen -Formen im Sand umstülpen, dekorieren, Sand zwischen Fingern rieseln – ein leises andauerndes wiederkehrendes Klingeln von Ästen mit Glöckchen, von in Händen kullernden Glöckchen – und so weiter und so weiter – stille Post mit Sand, Stimmen im Sand – schön.

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In den Spielräumen für kreatialogisches Entdecken werden Materialien zur Verfügung gestellt, mit denen Gestaltungs- und  Kommunikationsvorgänge ohne Absprachen /Vorgaben entstehen. Ein Verweilen im spielerischen Entdecken, aus dem das jeweilige Erlebte als Impulse wahrgenommen werden kann und eine direkte Form/Bewegung bekom   mt. Ein Versuch zu einem gestalterischen Dialog mit einem Zusammenspiel, formenden Prozessen und handelnder Wahrnehmung.

Das Ankommen der Sehnsucht

Im Rahmen von MENSCHWERK – Aschaffenburg 24. – 26. März 2017

Eine bespielte und bespielbare Installation der Begegnungen, der Wandelungen, in denen Objekte von zwei meiner bisherigen prozesshaften Arbeiten verbunden wurden.

  1. Die Skulptur bin ich mit euch – mit einer gesellschaftlichen, politischen Auseinandersetzung
  2. HAUT-TUCH – das wie ein Spiegel meine Sehnsucht nach GANZ SEIN aufbewahrt

Ein Zusammenspiel zwischen meiner SEHNSUCHT nach greifbaren, sichtbaren Formen, und den ERFAHRUNGEN, die ich durch die Formwerdungen meiner SEHNSUCHT erlebe. Diese Sehnsucht betrifft das Bedürfnis nach Begegnung sowie nach der Verantwortung etwas in die Gemeinschaft zu geben, zu teilen, sich mitzuteilen, das Bedürfnis nach einer spielerischen Neugier, das Bedürfnis des Begegnens mit Achtsamkeit, mit Menschlichkeit, für ein Üben von friedlichem Miteinander. Durch meine künstlerischen Prozesse entsteht eine veränderte innere Haltung mit einem permanenten Prozess der Annährung und Gestaltung von Begegnungen – mit uns selbst, mit Materialien und mit Anderen. Die Installation ist ein Handlungs- / Spiel-Raum, in dem die Verarbeitungen von gesellschaftlichen, persönlichen Themen mit emotionalen-selbsterfahrbaren Aspekten verbunden und zum Ausdruck gebracht werden konnte. Versuche von persönlichen Wandlungsschritten in Form von künstlerischen-performativen oder auch spielerisch-rituellen Prozessen.

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Über drei Tage fanden diese Prozesse statt, begleitet von dem Gedicht LIEDER VOM WANDEL von Romaine Moreton:

Am ersten Tag mit dem performativen Einbringen meiner Objekte, Bewegungen und deren Verbindungen. Ich arbeitete mit Fäden und Texten, empfand mich verletzbar, im Schutz meines Materials, meines eigenen Raumes und fragte die Schauenden: Was ist es für dich, wenn du es siehst … wenn du es berührst … wenn du es öffnest?

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Am zweiten Tag bespielten wir zu fünft die Installation – ein Wechselspiel von offener Begegnung und eigener Konzentration. Wir öffneten den Spiel-Raum, luden die Schauenden ein. Die Objekte mit meinen Bedeutungen öffneten sich zu SPIEL-MATERIALIEN, deren Bedeutungen erweitert wurden, Bienen kamen dazu. Der Raum bekam Wege / Begegnungen / Zufälliges / Gesuchtes. Ich meißelte in die Wand: Meine Sehnsucht seid ihr. Ich erlebte ein eingebunden sein und einen Schutz in dem gemeinsam Entstehenden.

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Den dritten Tag erlebte ich als weiteres Öffnen und Verbinden des persönlichen und räumlichen INNEN & AUSSEN. Ich empfinde die Bienen als eine neue Haut des Gemeinsamen, des gegenseitigen, lebendigen, tanzenden, kommunikativen eingebunden Seins. Ich präsentierte mich, Leute kamen dazu, die Wände wurden bemalt, ich schrieb auf die Wände: Mein vorsichtiges Berühren des Gemeinsamen. Für mich entstehen wachsende Keime der Begegnung, der gemeinsamen Kreativität – Lebensgestaltung.

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Verschiedene Ebenen waren für mich in mir, im Raum, zwischen uns spürbar da:

– Etwas Persönliches in Form meiner persönlichen Objekte mit biografischen Inhalten und meinem persönlichen Schritt, mich damit zu zeigen und in Begegnung zu gehen.

– Etwas Künstlerisches in Form der Kommunikation über künstlerische Ausdrucksmittel und der Übertragung künstlerischen Handelns in bewusste Wahrnehmung und Gestaltung von Begegnung.

– Etwas Gesellschaftliches in Form der Inhalte meiner Buch-Hefte und in dem Versuch Freiheit und eigene Kreativität erlebbar zu machen.

– Etwas Naturverbundes / Spirituelles in Form des „rituellen“ Charakters mit Verwendung von natürlichen sowie (individuell) bedeutenden Elementen.

Ich fühle mich angekommen in einem Annehmen einer natürlichen, ehrwürdigen Wesenheit in uns selbst. Und die Gestaltung einer Verbindung zu ihr ist der Weg meiner Kunst.

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STEINE: beARBEITen UND beSPIELen

Mit Dirk Marwedel (12. Juli 2015)
Wie entsteht eine Skulptur in hörbarer und handwerklicher Art?

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Schieferplatten, Sandsteinquader, Kieselsteine waren für uns die Instrumente, mit denen wir diese Frage im Rahmen des Klang-Kunst-Festivals AUFS GANZE GEHEN in der Walkmühle Wiesbaden bespielten und bearbeiteten. Wir hauten 2 runde Zylinder aus den Sandsteinen, einen runden Durchbruch in eine Schieferplatte und bauten aus diesen Elemente verschiedene Skulpturen. Es klangen rhythmische Schläge und Schläge nebeneinander – kratzen, schaben, kullern von Werkzeugen und Kieseln – schieben, walzen, fallen von Steinen – fließen von Wasser. Eine sehr wechselhafte Klang-Skulptur gestaltete sich über 8 Stunden – ein Changieren und Balancieren zwischen Bildhauerei, Klangkunst und Performance.

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