LifeArt – Soziale Plastik – Werksatz – Permanente Kreation

Erweiterte Positionen aus verschiedenen Bereichen der Lebensforschung, Lebensgestaltung, und Kunst sind für mich wichtige Inspirationsquellen für ein Kunstverständnis, das soziale oder persönliche Prozesse, ästhetische Erfahrungsmomente und gesellschaftliche Wirkung als WERK versteht.

Ich versuche diese Ansätze in meinen eigenen Arbeiten und Räumen umzusetzen und sie in mein Handeln einfließen zu lassen. Diese Erlebens- und Erkenntnisprozesse öffne ich für gemeinsames Entdecken mit Übertragungen und Verbindungen von Kunst und Leben. Auf dieser Seite möchte ich meine aktuellen Anregungen teilen – als bewegende Impulse für euch.

Zu meinen Angeboten der SPIEL-RÄUME findest du hier Termine und Einblicke:

http://www.stein-lassen.de/index.php/laborieren

Zu meinen Angeboten der ERFAHR-RÄUME findest du hier Termine und Einblicke:

http://www.stein-lassen.de/index.php/bestaerken

 

Und das bewegt mich gerade: Leben im Stein _ Gefäße im Stein

 

A stone is that from which we come, is that to which we go back, it’s the earth itself.

Some day they will know how to unlock the stone and then they will have infinite energy.

Isamu Noguchi

 

 

Eine mich sehr beeindruckende, wissenschaftliche Entdeckung zu der Lebendigkeit von Steinen, gibt meinen Annäherungen an unsere Verwandtschaft mit den Steinen eine Bestärkung. Irgendwie kommt alles Leben aus den Steinen, aus den Bewegungen unserer gewaltigen Erdschichten, ihren Verwitterungen, ihren Krisallisationen, ihren Transformationen.

Mit den Worten von Roger Caillois : … in der Puppenhülle der Brei des Übergangsstadiums zwischen Larve und Insekt, die ununterschiedene Gallerte, einzig imstande zu zittern, bevor in ihr die Neigung zu einer bestimmten Gestalt, zu einer eigenständigen Funktion erwacht. Rasch kommt die erste Dienstbarmachung des Minerals hinzu, die paar Unzen Kalkstein und Kieselsäure, die eine schwimmende und bedrohte Materia braucht, um sich einen Schutz oder eine Stütze zu bauen. Außen Muschelschallen und Panzer, innen Wirbel, die sogleich gegliedert, angepasst, bis in die kleinste Kleinigkeit ausgefertigt werden.

Mikroben aus rund 2.000 Metern Tiefe unter dem Elektronenmikroskop © Hiroyuki Imachi/ JAMSTEC

In Gesteinen gibt es organisches Leben – das schließen Forscher aus einem Fund von 400 Millionen Jahre alten Mikroben im Basalt des Rheinischen Schiefergebirges. In hauchdünnen Gesteinsscheiben fanden sie Mineralablagerungen mit verdächtig verästelten Mustern. „Zwar sehen wir heute nicht mehr die Originalzellen, sondern Minerale, die deren ursprüngliches Gefüge ersetzt haben“, erklärt der Geologe Jörn Peckmann, „Dennoch gehen wir davon aus, dass die Strukturen ohne die Existenz von Leben nicht zu erklären sind.“ Im Devon bedeckte ein Ozean das mittlere Deutschland, an dessen Grund Unmengen ausgesprochen gasreicher Lava ausströmte. Das erkaltete Gestein bildete zahlreiche Bläschen, die über dünne Kanäle miteinander verbunden waren. Durch dieses Porensystem spülte Wasser nicht nur die Bestandteile für neue Minerale hinein, sondern auch die Organismen. Denkbar, dass die Mikroben ihre Lebensenergie aus der Umwandlung von Eisen bezogen. „Wir müssen umdenken, inwieweit das Leben eine Rolle in geochemischen Stoffkreisläufen spielt“, sagt der Forscher.

Auch japanische Forscher dringen in die Tiefe und fanden ebenfalls, dass es in fast 2.500 Metern Tiefe unter dem Meeresgrund lebende Mikroben gibt. Bei den Mikroben dieser tiefen Biosphäre handelt es sich um Bakterien, die sonst in Waldböden vorkommen. Sie gelangten wahrscheinlich vor 20 Millionen Jahren in die Tiefe, als ihr Wald einst im Meer versank. Aktiv waren die Mikroben vor allem in Kohlenablagerungen, mit Temperaturen von 40-60 Grad, wo sie Kohle zu Methan umwandeln. Nun bilden ihre Nachfahren eine ganz eigene Lebensgemeinschaft innerhalb der tiefen Biosphäre.

 

Gestein als elementares Gefäß für Leben, das von Menschen zu Gefäßen ihres Lebensalltags und Glaubens verwendet und geformt wurde. Eine besondere Kunst von Stein-Gefäßen entwickelten die Ägypter mit filigranen teilweise wenige Zentimeter messenden Schälchen und Töpfchen. Die frühesten aus der Mitte des 4. Jt. v. Chr.. Im Alltag wurden sie wohl weniger verwendet, da die meisten dieser Gefäße als Grabbeigaben in den Gräbern gefunden wurden. In einigen waren noch Reste von ehemals flüssigen Beigaben wie Ölen, Fetten, Salben erhalten. Die Formen variieren in verschiedenen Gesteinsarten und Härtegraden. Für mich zeigen und bewahren diese besonderen Stein-Werke eine sehr feine, achtsame Handhabung, die diese feste Materie aushöhlt, das Innere dieser kleinen Brocken öffnet für die Begleitung durch die Reiche der Vergänglichkeit – auch wenn die Herstellung wahrscheinlich oft von Sklavinnen und Sklaven unter unmenschlichen Bedingungen geleistet werden musste. Die Faszination für ihre Arbeit bleibt in mir beim Anschauen dieser Gefäße aus lebendigen Steinen.

 

Eine andere Art der Lebendigkeit bewegen Steine in der Wüste Kaliforniens. Auf einem ausgetrockneten See im Nordwesten des Death-Valley-Nationalparks wandern bis zu 350 kg schwere Felsbrocken sporadisch über die fast vollkommen flache Ebene und hinterlassen dabei Spuren in der Geländeoberfläche. Naturkundler rätseln bis heute an diesem Phänomen und versuchen physikalische Erklärungen zu finden. Diese gibt es inzwischen auch in unterschiedliche Richtungen und wenn alle Beobachtungen vereint werden, handelt es sich um einen komplexen Mechanismus zwischen Wind, Eis, Regen, tonigem Boden und Algen, welcher bis heute nicht eindeutig zu erklären sei. Auf jeden Fall kann man den Steinen wohl eine Bereitschaft zusprechen, mit der sie sich leicht den Elementen überlassen.

 

Auch Thomas Feuerstein arbeitet in seinem Projekt Prometheus Delivered mit Leben im Stein und der Zersetzung von Stein. In einer Art Laboratorium durchfließen Flüssigkeiten mit steinfressenden Bakterien den Raum und eine Prometheus-Replik nach Nicolas-Sébastian Adam. In einer „Verstoffwechselung“ wandeln sie den Marmor zu Gips, der wiederum zu Nahrung menschlicher Leberzellen wird. Der Mythos von Zerstörung und Neuerschaffung wird damit übertragen, Fragen nach existenziellen Grundparametern und nach dem Ursprung des Lebens werden gestellt. „Wie in der Antike wird die Leber zum Organ der Zukunftsschau. Denn Feuerstein lässt mit seiner Installation in eine künftige Gesellschaft blicken, die sich nicht länger von Tieren und Pflanzen, sondern möglicherweise von eigenen Körperzellen ernährt.“

 

„Wie lebt Stein in mir ?“ frage ich mich neugierig bei all meinem Schreiben und Tun, wenn meine Hände das Gefäß für die Berührungen der Steine und der Welt formen.

SPIEL-RÄUME in Lebensräumen

Nach vielen Jahren der SPIEL-RÄUME für kreatialogisches Entdecken in meinen und unseren Atelierräumen, ist jetzt mein Rucksack gepackt, mein Herzkörper gefasst und ich möchte neue Spiel-Räume des Alltags entdecken, in denen unsere freie schöpferische Neugier immer wieder neue Impulse erfährt – was Robert Filliou als „permanente Kreation“ ausdrückt. Der letzte SPIEL-RAUM im Atelier Jahnstraße 8 in Wiesbaden war ein Übergang dazu:

ÜBERGANG

wenn es all das nicht gäbe, hätte mein leben keine spur, keine form, für lange zeit kein gegenüber … ich sammelte vieles was mich ansprach und bewegte in meinen buch-heften, ich bewahre es darin, ich wandele es … ich machte stein-platten für meine buch-hefte mit edelsteinen und meine persönlichen ge-schichten bekamen schichten der erde, der verbundenheit … und etwas schönes entstand in mir … ich schnitzte allem eine spirale in einem stamm, aus dem heraus etwas wachsen konnte … ich grub ein loch in die erde und meine augen tanzten daraus, meine worte klangen daraus … und fäden vernetzten sich … ich begann zu begreifen und zu verkörpern

der Raum : den raum beziehen _ den raum berühren _ den raum bewegen _ den raum verlassen : der Raum

: der zwischenraum erinnert _ der zwischenraum erspürt _ der zwischenraum bewahrt :

das Bewahren : das bewahren kreist _ das bewahren plätschert _ das bewahren ruft : das Bewahren

übergänge unserer ge-schichten zu unseren hand-lungen _ ein spiel mit den ton-klumpen und fadenknäuel

übergänge unserer ent-deckungen zu unseren hand-werken _ ein spiel mit den stein-brocken und film-überlagerungen

übergänge unserer material-räume zu unseren körper-räumen _ ein spiel mit dem augen-zwinkern und dem getragen-werden

übergänge unserer wort-unsinne zu unseren sprach-schöpfungen _ ein spiel mit dem bauch-laden und den fuß-abdrücken

und der frosch gesellt sich zur schelmischen chimäre, zum aufsteigenden phönix, zur bewachenden sphinx, zur geflügelten harpyie, zum widerständigen kentaur, die den rucksack mit dem herz-körper der großen giraffe über die brücke tragen

 

Offene ERMUTIGENDE Räume BEWEGENDE Begegnungen

Wo immer ich bin, wo immer wir uns begegnen entsteht ein Raum – ein Zwischenraum, den ich selbst mitgestalte. In unserer SPIEL-RÄUMEN laden wir ein, Räume der Bestärkung zu erleben und selbst zu initiieren – dem unbedeutenden Tun einen wunderbaren Sinn des Erkennens und des Momenthaften schenken – im Miteinander spüren und vermitteln, dass wir gemeinsam diesen Raum erschaffen und bewahren. Wir öffnen Räume der Kommunikation in den unerschöpflichen Sprachen unserer weiten menschlichen Ausdrucksfähigkeit.

 

draußen_lauschen 4. Mai 2019  :

SPIEL-RÄUME in einem Steinbruch mit spielerischem Erkunden / Gestalten und zugleich mit dem Erkennen, dass dieser Stein-Bruch auch eine Wunde ist, die wir durch die Nutzbarmachung der Steine hinterlassen, draußen_lauschen lebt von dem in Beziehung Gehen mit dem Ort, mit Neugier, Berührung, Formung, Dank, Heilung.

heute sind es wildschweinpfade erdkuhlen aufgewühlt

heute sind es wärme wachsende veränderung

heute sind es binsen erdbeeren helles grün

heute sind es ruhe wind umgeben / geborgen im stein

demütig verlassen im dichten grün

 

BegegnungsWerkstatt im NaheRaum 3. Mai 2019 :

Ein Raum voller überraschender Situationen und „Kunst-Werke“ mit verpackten Gegenständen, die zu neuen Geschichten einladen. Ein Raum für alle im öffentlichen kulturellen Leben einer Stadt, um ein Miteinander ohne Konsum, ohne Erwartungen, mit Teilhabe und Mitwirkung als kontinuierliche SPIEL-RÄUME zu gestalten. Vorab sammeln wir übrige Lebensmittel von Märkten und bereiten daraus ein kleines Mahl.

 

ODAA _ BAUM _ VERSAMMLUNG ab April 2019 :

Eine gemeinsam entstehende und sich wandelnde Installation sowie ein Kommunikationsprozess. Jugendliche formen zu den Potentialen aus ihrem Land : der ODAA-Baum als gelebtes demokratisches Entscheidungsinstrument mit dem Wunsch nach der Anerkennung des Bleiben Könnens und Stühle, Baumstümpfe als räumliche Strukturen des Versammelns > Reihe – Kreis

 

open space 20. Jan. 2019 mit Caroline Knöbl und Wolfgang Schliemann :

Ein offener Raum über einen Zeitraum von 6 Stunden im Arthaus Altheim, in dem uns Materialien, Instrumente, Nichtwissen, Neugier und Achtsamkeit verbinden.

wir spielen wir klingen wir berühren wir halten inne wir ruhen wir sprechen wir waffeln

einfach sein _ präsent sein _ wir erwarten

wir erwarten die nährung die stärkung die weichen sessel

wir genießen tee teig zusammensein den sich öffnenden raum

 

Zukunftsforum 23. Nov. 2018 :

Ein SPIEL-RAUM zur Transformation unseres Bildungsbegriffes: Wie kann eine zukünftige Bildung zur Selbstbildung aussehen ? Wir erspielten und erarbeiteten dazu in einem Feld der erweiterten Ausdrucksmöglichkeiten Zugänge zu konkreten Fragen von inklusiver Selbstverständlichkeit.

 

SPIEL-RÄUME sind Räume voller Materialien – mit Menschen voller kreativer Neugier – mit der Zeit als geduldige Begleiterin von schöpferischem Handeln – mit anderen als Gegenüber, um in Kontakt zu treten. Mit unterschiedlichen Materialien entstehen gestaltererische Kommunikationsvorgänge ohne Vorgaben. Ein spielerisches Entdecken, ein künstlerischer Dialog mit Zusammenspiel, bewegenden Prozessen und handelnder Wahrnehmung.

Das UNSICHTBARE berühren

performativer-interaktiver Raum                       Wiesbaden tanzt  21. / 22. Sept. 2018

Sybille Kunkler / Rüdiger Steiner     

ein raum des loslassens, was die augen zu berühren erwarten _ ein schauen durch unsere fingerspitzen und zehenspitzen _ ein lauschen mit unserer haut _ ein neugierig staunend fasziniert sein

es sind da die filmbilder von gleitenden händen fingern > sie berühren die oberflächen die erinnerungen die elemente der erde den stoff des tuches

in diese bilder tanzen hinein die schatten unserer körper unserer bewegungen > sie berühren ein entdecken des spielerischen der gestalt des getrenntseins des verbindens der vorstellung des unsichtbaren

dazwischen tanzen unsere berührungen und die schattenspiele unserer bebegnungen > sie berühren unsere haut unsere netzhaut unsere hirnhaut sie berühren unser fühlen und gefühlen sie berühren ein mögliches vorstellbares erreichen des unsichtbaren

wir sind in musik und klängen zwischen materialien zwischen unseren spuren > wir berühren wellen von rhythmen schwingungen von melodien wir berühren das räumliche das fassbare das sichtbare die elemente der erde

was ist es das wir entstehen lassen das wir erkennen mit unseren tänzen > wir sehen uns selbst wir sehen uns gegenseitig manchmal sehen wir uns auch nicht _ wir streicheln uns mit federn hanf steinen draht wasser _ wir umarmen uns

was ist es das wir entstehen lassen das wir erkennen > wenn unsere nasen dem unsichtbaren lauschen wenn unsere ohren dem unsichtbaren lauschen wenn unsere hüften dem unsichtbaren lauschen wenn unsere füße dem unsichtbaren lauschen wenn wir zusammen aneinander lauschen

das UNSICHTBARE berühren ABDRÜCKE im UNSICHTBAREN hinterlassen

wir geben uns in die hände > mit dem wir formen geben

UNRUHIG BLEIBEN _ Donna J. Haraway

UNRUHIG BLEIBEN und uns ARTENÜBERGREIFEND VERWANDT MACHEN kann als menschliches Bestreben eine Wandlung und eine Zukunft ermöglichen, in der jegliches Lebendige – also Erde, Mineralien, Rohstoffe, Pflanzen, Insekten, Tiere, Menschen – nebeneinander in gegenseitiger Achtung existieren kann. Die derzeitigen Veränderungen unserer Lebensbedingungen mit Klimakatastrophen, Überbevölkerung, Artensterben, Kriegen können mit bewussten VERWANDTSCHAFTEN langfristig so gestaltet werden, dass ein Leben auf der Erde mit seiner Artenvielfalt sich weiter entwickeln kann. Ein neues Zeitalter beginnt.

Björk auf ihrem Album UTOPIA

Diese mich sehr ermutigende und herausfordernde Vision beschreibt Donna J. Haraway in ihrem Buch ‚Unruhig bleiben – Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän‘. Sie stellt darin die gegenwärtigen gesellschaftlichen Zustände und Abhängigkeiten dar, die zu der Ausbeutung und Beeinflussung unserer Lebensgrundlagen und dadurch zur Vernichtung von vielen Lebensformen führen. Sie beschreibt dieses Zerstörerische in erschreckender Deutlichkeit und bezieht darauf gleichzeitig die Chancen und Möglichkeiten, die wir als Menschen mit all unseren sozialen, kooperativen, wissenschaftlichen, künstlerischen, geistigen Errungenschaften haben, um daraus Wege und Formen einer Transformation zu gestalten. Es geht bei diesen Möglichkeiten um Science Fiction – auf den Bedeutungsebenen von Spekulativem Feminismus, Science Fantasy, Science Facts, String Figures – als Erzählen, Weitergeben, Aufnehmen, Fallenlassen, Finden von Geschichten, die etwas vergangenes, gegenwärtiges, zukünftiges VERWELTLICHEN, also etwas in / auf die Welt bringen. VERWELTLICHEN finde ich eine wunderbare Benennung zu all dem, was als Ideen, als Umsetzungen, als Gestaltungen, als Materialien, als Miteinander, als Lebensräume zur Realität wird.

Die Entwicklung unseres menschlichen Bewusstseins und Verhaltens hin zu einem, sich in einer erdgebundenen Gesamtheit wahrnehmenden, einfühlenden und kooperierenden Existenz, wird in dem Buch anhand von zahlreichen natur- / geisteswissenschaftlichen sowie künstlerisch-poetischen Initiativen weiträumig aufgeblättert. Mit Forschungsprojekten und Projekten des Kunst- / Gestaltungsaktivismus, die verschiedenste Zugänge vereinen, um ein allen beteiligten Arten entsprechendes Einlassen zu ermöglichen, werden neue Perspektiven aufgezeigt, die entstehen, wenn tatsächlich ein gegenseitiges Interesse, eine gegenseitige notwendige Beziehung – VERWANDTSCHAFT – oder Abhängigkeit zur Ausgangsbasis des Forschens und Weiterlebens wird. UNS VERWANDT MACHEN steht dabei als Formulierung für ein ‚In Beziehung und Verantwortung gehen‘, womit nicht die familiäre Verwandtschaft gemeint ist: „Sich auf eigensinnige Art verwandt zu machen … Was muss durchschritten und was muss verknüpft werden, damit artenübergreifendes Gedeihen auf dieser Erde eine Chance hat; ein Gedeihen, das menschliche und anders-als-menschliche Wesen in die Verwandtschaft miteinschließt?“

Beispiele aus dem Buch zu wissenschaftlich-künstlerischen VERWELTLICHUNGEN um unruhig zu bleiben:

PIGEONBLOG von Beatriz da Costa war eine Kooperation zwischen Brieftauben, KünstlerInnen, IngenieurInnen und TaubenzüchterInnen zur Sammlung von wissenschaftlichen Daten über Luftqualitätsbedingungen. Pigeonblog war ein Versuch, DIY-Elektronik-Entwicklung mit einer Basis-wissenschaftlichen Datenerfassungsinitiative zu kombinieren, während gleichzeitig die Potenziale der Interspezies-Koproduktion auf der Suche nach resistentem Handeln untersucht wurden. Wie können Tiere uns helfen, auf soziale Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen? Könnte ihre Fähigkeit, Aufgaben und Aktivitäten auszuführen, die Menschen auf diese Weise nicht ausnutzen können, unter Beibehaltung einer respektvollen Beziehung zu den Tieren sein?

https://sites.tufts.edu/surveillanceandart/2017/11/15/beatriz-da-costa-pigeon-blog/

Das CROCHET CORAL REEF ist ein weltumspannendes gehäkeltes Kunstwerk zum Erhalt der weltweit gefährdeten Korallenriffe mit ca. 8000 meist weiblichen Beteiligten in 27 Ländern. Die Zwillingsschwestern Christine und Margaret Wertheim bringen dieses Wachsen eines gehäkelten Riffes in die Welt als „sympoietische Verknotung von Mathematik, Meeresbiologie, Umweltaktivismus, ökologischer Bewusstseinsbildung, weiblicher Handarbeit, Textilkunst, Museumsausstellung und gemeinschaftlicher Kunstpraxis.“. Mit Projekten und Ausstellungen ihres ‚Institute for Figuring‘ wird ein erweitertes Verständnis von physikalischen und mathematischen Themen greifbar gemacht.

http://ginfuelledbluestocking.co.uk/wp-content/uploads/2014/01/IFF-CrochetReef-HowToHandout.pdf

http://theiff.org/about/about.html

AKO-PROJEKT – Bücher für Kinder in Madagaskar, die aussterbende Lemuren ins Bewusstsein bringen und sie Wiederbeleben, sind das Geschenk der Verhaltensforscherin Alison Jolly nach jahrzehntelanger liebevoller Beobachtung und Annäherung an diese Affenart. In den Büchern erzählt sie die Abenteuer von jungen kühnen Lemuren der verschiedenen Spezies, die Freuden und Gefahren ihres Lebensraumes und soziale Regeln durchleben. In Kooperation mit anderen WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen bewahren diese Bücher eine Anstrengung für das Zusammenleben mit unseren tierischen MitbewohnerInnen.

http://www-personal.umd.umich.edu/~fdolins/berenty/ako/index.html

NEVER ALONE ist ein Computer-Weltspiel, das die Spielentwickler zusammen mit den Inupiat, einer First Nation Alaskas, entwickelt haben. Es vermittelt innerhalb der Spielhandlungen die Kultur der Inupiat und spielt an auf eine sich erwärmende und dahin schmelzende Arktis, die den Lebensraum der Inupiat bedroht. In der Rolle eines Inupiat-Mädchens und eines Fuches wird die Suche nach den Ursachen eines alles bedrohenden nicht-enden-wollenden Sturmes gespielt. Niemand handelt allein auf dieser mutigen Suche, um die Leute und ihr Land zu retten, in der auch animistische Wesen ihre Realität haben.

http://neveralonegame.com/game/

BLACK MESA ist das angestammte Land der Hopi und Diné, das den Navajo und Hopi als Reservat überlassen wurde. Das darin befindliche ergiebige Kohlevorkommen wird von Unternehmen vereinnahmt, der Abbau fordert immense Mengen an vorhandenem Quellwasser, das die Navajos und Hopis für Landwirtschaft und Schafzucht brauchen. Ein langer Konflikt um diese Lebensgrundlagen mit gewaltsamer Unterdrückung, Zwietracht und Vertreibung bestimmt das Leben. Der Erhalt der Navajo-Churro-Schafe durch Mithilfe von AktivistInnen und WissenschaftlerInnen stärkte die Hirtentätigkeit, den Wollhandel , das Weben und damit die ökologischen und sozialen Lebensbedingungen. Das ermutigt auch für die Forderungen für ihre Lebensgrundlagen und Initiativen unterstützen die Rechte der Navajo und Hopi, befassen sich mit dem Wassermangel, der Kohleausbeutung, der Lohnabhängigkeiten und Gesundheitsproblemen. Ein umfassendes Verweben von Ideen und Aktionen für ein Heilen der Erde und der erfahrenen Unterdrückung.

https://www.nativemovement.org/bmwc/

In einer utopischen Geschichte von CAMILLE, über fünf Generationen bis in das Jahr 2425, entwirft Donna J. Haraway im letzten Kapitel eine lebensgemeinschaftliche, genmanipulierte und bewusstseinserweiterte Evolution oder Transformation, die bedrohte Arten in Verbindung und mit gegenseitiger ‚Befruchtung‘ in ‚menschlichen‘ Körpern weiter leben lässt. Für mich eine vorstellbare, erleichternde und gleichzeitig atemberaubende Möglichkeit, wenn man sieht wie sich Genmanipulation und die künstliche Intelligenz schon in die menschlichen Körper hinein operiert.

Wie sehe ich nach dem Lesen dieses Buches meine Verwandtschaft zu anderen Arten, zu Steinen, die mich immer wieder ansprechen? Wie mache ich mich verwandt mit ihrem Wesen, das da ist und entsteht, wenn ich mit ihnen hantiere, sie bearbeite? Diese Frage und Herausforderung lässt mich belebend unruhig bleiben in meinen Berührungen, Bewegungen, Spielen und Verweltlichungen mit ihnen.

mein lied für die serpentin-kröte _ meine steine für den rufenden vogel

  in CORNWALL Mullion / Gersick-an-awn Sept. 2018

diese unvorstellbare reise der kntinente, diese umwandlung zu serpentin unter immensen druck … die worte von donna j. haraway auf meiner reise : macht euch verwandt, keine babies … und ich versuche einen vorsichtigen zugang zu berühren : VERWANDT MACHEN … mit den felsen und der bucht pengersick / gersick-an-awn.

ist es irgendwie VERWANDT dieses fels gesicht wie eine serpentin-kröte – mit diesen rufenden zwischen wind und klippen gleitenden vögeln – mit der hand des bildhauers die versucht das unglaubliche zu berühren …

für immer : des bildhauers finger sind in zweifel, zu verteidigen oder zu kämpfen

niemals : fragen dies die finger dieses landes hier

ich begegne dieser serpentin-kröte an der bucht gersick-an-awn und ich begegne diesem kraftvollen gefühl einer verlockenden tiefe hilflos ausgeliefert zu sein oder einer unbewussten erinnerung : verängstigt durch eine vertraute hand … und ich versuche eine vorsichtige verbindung zu finden, zu berühren, zu dieser gewaltigen serpentin-transformation zwischen kontinentalplatten : VERWANDT MACHEN mit den wunden der steine … empfinden steine schmerz und freude ?

ich laufe weg : die raupe kreuzt meinen weg mit ihrem lied von zeit und zuversicht

ich laufe weg : die urlaubsgäste kreuzen meinen weg mit ihrem weg der leichtigkeit und alltäglichkeit

ich laufe weg : die zeichnung meiner versöhnung kreuzt meinen weg mit dem lied der einsicht

ich gehe zurück, ich versuche zu berühren _ ich beginne eine kleine skulptur zu schnitzen aus einem stück holz, das fähig ist VERWANDT zu machen mit der erdigen kröte und dem luftigen vogel _ ich beginne ein lied zu denken, eine verbindung zu verkörpern, die fähig sind VERWANDT zu machen mit der erdigen kröte und dem luftigen vogel

in würdigung der bildhauerin barbara hepworth : der bildhauer und der reisende folgen dem körper der landschaft – fühlend berührend schauend, durch verstand und hand und auge

DAS UNFASSBARE – ein SIMPLES SPIEL

Meine Arbeit mit einem zu erfassen suchen – von irgendwie unfassbaren menschlichen Bereichen, Entwicklungen, Themen – führte mich zu 6 kurzen Texten. Sie kreisen um universelle Wahrheiten und menschliches Unvermögen, um träumerische Archetypen und poetische Sprachschöpfungen oder auch einfach um zufriedene, in sich versunkende Seinszustände. Ein Artikel über Filme von Joshua Oppenheimer Act of killing / Look of silence mit Tätern im indonesischen Völkermord 1965/66, ein Text über Jean Gebsers Bewusstseinsevolution hin zu einem aperspektivischen Zeitalter mit einem dynamischen Formverständnis, das Gedicht TOKIO VOGELHAUS  für Kazuko Shiraishi von Ira Cohen, 6 Ratschläge oder Wahrheiten des buddhistischen Mönches Tilopa, eine Darstellung des Flusses des kollektiven Unbewussten als eine archaischen Erbschaft nach C.G. Jung und Sigmund Freud und 6 eigene Fragen zu dem Fortbestehen von gesellschaftlichem / gemeinschaftlichem Leben in unterschiedlichen Menschheits-Epochen.

Ich gestalte dafür Raumsituationen, in denen bei performativen / tänzerischen Handlungen Objekte, Plastiken, Bilder entstehen, die ich fotografisch dokumentiere. Diese entstehenden „Werke“ geben meinen dabei erfahrenen Prozessen und Erkenntnissen eine Form und Gestalt.

Der HERZKÖRPER  sich dem Unfassbaren entgegen bereitend

Die VERZWEIGKÖRPER – eine Serie von 6 Holzplastiken

Der ERKENNTNISKÖRPER – verschiedene Selbst-Inszenierungen

Durch dieses in BEZIEHUNG SETZEN zu den Texten, das für mich eine Möglichkeit des intuitiven und teilweise bewussten ERFASSENS öffnet, wandelt sich das Unfassbare in mir zu einer intuitiven und teilweise bewussten HANDHABUNG mit persönlichen und menschheitsgeschichtlichen Elementen  – wie ein spielerischer Umgang, bei dem es um eine individuelle Wahrheit geht, mit der ich wiederum in BEZIEHUNG gehen kann – mit Themen, Objekten, Menschen, Natur.

Meinen eigenen Prozess führe ich jetzt gemeinsam mit anderen weiter in persönlichen SPIEL-RÄUMEN zum künstlerischen <> lebendigen  SELBST. Dabei ändern und öffnen sich meine persönlichen Erkenntniss-WERKE in mir und in den Objekten, sie verbinden sich zu neuen Konstellationen des unfassbar spielerisch Greifbaren.